Beitrag einer in Deutschland lebenden Tamilin zum Hintergrund des aktuellen Massakers in Sri Lanka
Das Jahr 1983 wird als Anfangspunkt für den Bürgerkrieg in Sri Lanka angesetzt. Dieser Krieg herrscht also seit bald 26 Jahren. Er ist so alt wie ich.
2002 kam es zwar zu einer Waffenruhe zwischen der Sri Lankanischen Armee und der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) aber kurze Zeit nach dem Tsunami, des Jahres 2006, wurden die Waffen wieder in die Hand genommen. Es ist ein Krieg bei dem 70.000 Menschen ihr Leben verloren haben, in einem Land mit einer Gesamtbevölkerung von 19 Millionen. 800.000 Tamilien sind zur Flucht gezwungen worden und unzählige andere wurden „displaced“, gefoltert, vergewaltigt oder sonst wie misshandelt.
Vor knapp zwei Monaten nun hat die Sri Lankanische Armee die im Norden gelegene Stadt Killinocchi eingenommen. Seit über zehn Jahren war Kilinocchi der Hauptsitz der LTTE. Für die Tamilen Sri Lankas ist dieses Ereignis verheerend..
Als letztes hat die TRO (Tamil Rehabilitation Organisation) einen dringenden Aufruf an die internationalen Community herausgegeben mit der Bitte um sofortige medizinische Hilfe. 8 appeal to prevent a Human Catastrophe in the VanniBis jetzt sind 300 Zivilisten durch Angriffe der Sri Lankanischen Armee ums Leben gekommen, mehrere Tausend wurden nach Angaben der TRO verletzt. Diese befanden sich zum Zeitpunkt der Bombardierungen in der, von der Sri Lankanischen Regierung deklarierten „Saftey Zone“ im Nord-Osten des Landes, wo sie auf medizinische Versorgung gewartet hatten. Auf Grund der ndauernden Beschiessungen und Bombardierungen der Armee, ist es unmöglich für medizinische Fachkräfte oder Freiwillige zu den Verletzten zu gelangen. Zusätzlich hierzu besteht seid einiger Zeit ein Embargo der Sri Lankanischen Regierung auf Lebensmittel, Arzneimittel, Benzin und andere für humanitäre Hilfe grundlegende Güter. Den jetzt um die 300.000 Binnenflüchtlinge droht Hunger, Krankheiten und Tod.
Sogar Human Rights Watch, eine Organisation die der LTTE gegenüber eher negative eingestellt ist spricht von einem humanitären Desaster.
Worum es den Tamilen in ihrem Kampf geht ist ein autonomes Gebiet im Norden und Nord-Osten der Insel Sri Lanka. Seit der Unhabhängigkeit von der Britischen Kolonialmacht 1948 wird die Tamilische Bevölkerung von der sinhalesische Regierung in Sri Lanka systematisch Unterdrückt und Marginalisiert. Mit der Verstärkung der Sinhalisierungsbewegung („Sinhala only“) wurde 1958 Sinhala ohne die Zustimmung der Tamilische Bevölkerung zur Staatssprache erklärt. In 1970ern Buddhismus zur Staatsreligion-unter den Tamilen befinden sich Muslime, Hindus und Christen. Auch die Zulassung zu Universitäten verlief unter diskriminierender Quoten- Politik zugunsten Sinhalesischer Menschen. Das Ausmass der Diskriminierung und die abneigende Haltung der Singhalesischen Regierung lässt sich gut an einem Zitat des Armee Kommandanten Leutnant General Sarath Foneska aufzeigen, der im September 2006 erklärte: „ I strongly believe that the country belongs to Sinhalese. We being the majority of the country, 75 percent, we will never give in and we have the right to protect this country. They can live in this country with us. But they must not try to, under the pretext of being minority, demand undue things“ aufzeigen.
Im Kern ist der Bürgerkrieg in Sri Lanka zum grossen Teil auch eines der vielen, aber wohl destruktivsten Folgen des Kolonialismus. Sri Lanka war eines der vielen Regionen, die ein Spielball Europas in ihren kolonialen Machenschaften. Portugiesen, Niederländer und zum Schluss die Briten versuchten aus dem heutigen Sri Lanka Profit zu schlagen. Grossbritannien verfolgte, die übliche Kolonialpolitik des „Teile und Herrsche!“ um dann das Tamilische und Sinhalesische Gebiet der Insel, zum damaligen Kolonialnamen Ceylon zu vereinigen. So konnte das Gebiet besser der britischen Wirtschaft von nutzen. Heute ist England federführend in der Anklage gegen die LTTE und der militärischen und finanziellen Unterstützung der Sri Lankanischen Regierung.
In den Medien wird schon lange kaum berichtet. Sri Lanka ist nun leider nicht Medienwirksam, bringt keine Einschaltquoten. Hier und dar findet Mensch einen kurzen Artikel in einer Zeitung oder es wird knapp im Fernsehen darüber berichtet, und in den aller meisten Fällen wird die Geschichte des Bürgerkriegs im Sinne der Sri Lankanischen Regierung systematisch verdreht. Die LTTE wird als skrupellose Terroristeneinheit dargestellt und die Machenschaften der Regierung legitimiert.
Aber warum sollte Mensch sich auch für eine Kleine Insel im Indischen Ozean interessieren welches wenig wertvolle Rohstoffe hat, und nicht von hoher strategischen Bedeutung ist. Das Europa und die USA aber auch Länder wie Indien oder China nicht trotzdem Profit aus diesem Krieg zieht verwundert wohl nicht Waffenhandel und das aufstellen militärischer Stützpunkte sind zwei Hauptaspekte diesbezüglich. Eine Verantwortung für die, durch den Krieg (der ja wie gesagt auch von der EU mitfinanziert wird), zur Flucht gezwungenen Menschen wird jedoch sehr ungern übernommen. 2007 wurde die LTTE von der EU unter Druck der USA als Terroristische Organisation eingestuft. Somit ist es um eine vielfaches einfacher für diese Gebiete Asylanträge von Tamilischen Flüchtlingen abzulehnen. Denn die LTTE genießt breite Unterstützung von der Tamilischen Bevölkerung und so könnte ja in der Logik der EU und USA jede Tamilische Person potenziell ein/E TerroristIN sein. Dass, wie bei so vielen Bürgerkriegen in Asien, Afrika und Lateinamerika eine unglaublich grosse Schuld bei Europa und seiner Kolonialpolitik liegt wird, wie so oft, bewusst verdrängt.
Anstelle dessen wird jetzt stillschweigend zugeschaut wie hunderte Tamilen von der Sri Lankanischen Regierung ermordet werden. In einem Statement der US Botschaft in Colombo der Hauptstadt Sri Lankas wurde bezüglich der Einnahme Killinocchis durch die Sri Lankanischen Regierung: „ The United States does not advocate that the Government of Sri Lanka negotiate with the LTTE, a group designated by America as a Foreign Terrorist Organization since 1997.“
Was nun also? Die jetzige Situation der Tamilen ist so schlimm wie lange nicht mehr. Die Regierung Sri Lankas jedoch erhält von Europa und den USA freie Hand ihre Angriffe auf die Tamilische Zivilgesellschaft fortzuführen. Das traurigste ist, dass es hier kaum jemand mitbekommt.
mehr Infos: http://www.tamilnet.com/