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2. Runde im Skandal-Prozess wegen Abschiebeverhinderung

By azadi, 24 April, 2009
description:

Solidarität mit Felleke!

Am nächsten Mittwoch, 29. April, beginnt um 9.30 Uhr im Amtsgericht  

in FfM im Raum 26 E, ein erneuter Prozessversuch gegen Felleke Bahiru  

Kum, der 2006 erfolgreich seine Abschiebung verhindert hatte. Manche  

erinnern sich vielleicht: am 19.12.07 gab es einen ersten  

Verhandlungstermin in Frankfurt, der Prozess platzte aber nach gut 20  

Minuten, dazu nochmal unten der damalige Kurzbericht sowie die  

damalige Presseerklärung zum Skandalverfahren. Und wie damals bereits  

angekündigt, wollen wir am nächsten Mittwoch wieder mit möglichst  

vielen Leuten präsent sein und rufen hiermit schon zum erneuten  

Protest "gegen das doppelte Unrecht von Abschiebeversuch und  

anschließendem Strafbefehl" auf, aller Voraussicht nach wird  

Treffpunkt um 9 Uhr am Amtsgericht vor dem Bereich E sein. Das  

Aktionsbündnis gegen Abschiebung wird sich aber die Tage nochmal mit  

einer Ankündigung und Pressemitteilung melden.

beste Grüße,

hagen

20.12.07: Prozess gestern wegen Abschiebeverhinderung  geplatzt

Prozess wegen Abschiebeverhinderung geplatzt! Schlappe für  

Staatsanwalt!

Bereits nach gut 20 Minuten wurde der Prozess gegen Felleke Bahiru  

Kum (siehe Pressemitteilung unten) gestern vor dem Amtsgericht  

Frankfurt "auf unbestimmte Zeit vertagt". Vorausgegangen war eine  

längere Erklärung der Verteidigung, mit der unter Hinweis auf die  

asylrechtliche Situation von Felleke sowie wegen der unzureichenden  

Aktenführung der Staatsanwaltschaft (z.B. kein Bericht der  

offiziellen Abschiebebeobachtung, keine Vernehmung des  

Flugzeugpersonals ...) eine Einstellung des Verfahrens gefordert  

wurde. Während der Staatsanwalt dies eiskalt und knapp als  

"irrelevanten Unfug" abtun wollte und weiter auf einer (Schnell-)

Verurteilung beharrte, sah die Richterin offensichtlich ein, dass  

eine umfassendere Prüfung der Umstände notwendig sei. U. a. sollen  

auch die Akten des Bundesamtes für Migration beigezogen werden.   

Die drei geladenen (Abschiebe)Polizeizeugen wurden dann auch gar  

nicht mehr vernommen, die Sitzung wurde geschlossen und zurück  

blieb ein zähneknirschender Staatsanwalt.

Zur Gesamtstimmung hatte sicherlich auch beigetragen, dass der  

Prozesssaal gut gefüllt und damit eine gewisse Öffentlichkeit  

hergestellt war. Über 20 Leute hatten sich schon vor Beginn an  

einem Informationsstand mit Transparenten vor dem Eingang des  

Gerichts beteiligt und zeigten ihre Solidarität mit Felleke.

Sollte es in einigen Monaten zu einer Wiederauflage dieses  

skandalösen Verfahrens kommen, wird das Aktionsbündnis erneut zum  

Protest "gegen das doppelte Unrecht von Abschiebeversuch und  

anschließendem Strafbefehl" aufrufen.

Hagen Kopp (für das Aktionsbündnis gegen Abschiebung Rhein-Main)

Frankfurt, 17.12. 2007

Pressemitteilung

Skandalöser Prozess im Frankfurter Amtsgericht am 19.12.07:

Anklage gegen einen äthiopischen Flüchtling wegen "Widerstand  

gegen Vollstreckungsbeamte", weil er erfolgreich seine geplante  

Abschiebung am Frankfurter Flughafen verhindert hat ...

Felleke Bahiru Kum sollte am 4. September 2006 in einer Lufthansa-

Maschine von Frankfurt aus nach Äthiopien abgeschoben werden. Fünf  

Bundespolizisten brachten ihn zum Flugzeug, zwei davon waren als  

„Sicherheitsbegleitung“ bis Addis Abeba vorgesehen. Mit dieser  

Übermacht und unter massiver Anwendung von Gewalt sollte er in den  

Sitz gezwungen werden, doch der Betroffene schrie und sträubte  

sich gegen diese Misshandlung. Mit Erfolg! Denn der Pilot weigerte  

sich anschließend, ihn zu transportieren. Felleke Bahiru Kum wurde  

zwar erneut in Abschiebehaft genommen, doch auch ein 2ter  

Abschiebeversuch schlug fehl und Ende November 2006 wurde er  

aufgrund eines neues Asylantrages freigelassen.

Nun steht Felleke Bahiru Kum am Mittwoch wegen dieses Ereignisses  

vom September 06 als Angeklagter vor Gericht. „Das stellt die  

Tatsachen doch völlig auf den Kopf“, sagt dazu Hagen Kopp vom  

Aktionsbündnis gegen Abschiebung Rhein-Main. „Derjenige, der zum  

Opfer eines gewalttätigen Abschiebeversuchs geworden ist und dem  

Repression und Verfolgung im Herkunftsland gedroht hätte, soll  

hier zum Täter gemacht und verurteilt werden.“

Felleke Bahiru Kum ist in der Exilopposition Äthiopiens aktiv, und  

offensichtlich weil die dortige Polizei seiner habhaft werden  

wollte, hatte die äthiopische Botschaft für ihn im letzten Jahr  

überraschend Ausreisedokumente bereitgestellt. Die deutschen  

Behörden wollten diese dann sofort nutzen, um ihn loszuwerden.

„Eine Verurteilung wäre insofern ein doppeltes Unrecht, doch  

offensichtlich soll nochmals bestraft werden, wer sich dem  

unmenschlichen Abschiebeapparat erfolgreich widersetzt,“  

kommentiert Kopp das Verfahren.

Das Aktionsbündnis gegen Abschiebungen ruft dazu auf, den Prozess  

zu besuchen und dem Betroffenen Solidarität zu zeigen. Zu diesem  

Zweck wird eine halbe Stunde vor Prozessbeginn, um 12.30 Uhr,  ein  

Informationsstand mit Protesttransparenten vor dem Eingangsbereich  

des Amtgerichtes an der Ecke Konrad Adenauer Strasse und  

Seilerstrasse aufgebaut.

Der Prozess beginnt dann um 13.00 Uhr im Gebäude E Raum 26.

Weitere Informationen

Hagen Kopp

für das Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main

Location:
Amtsgericht Frankfurt am Main, Raum 26 E. Gerichtsstraße 2 . 60313 Frankfurt am Main

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