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neuer Bericht Lager Nostorf/Horst

entnommen bei indymedia
Bericht mit Fotos

Lager Horst

Schon wieder schulpflichtige Kinder von der Sportallee in Hamburg ins Lager Horst umverteilt, trotz Koalitionsvertrag
Faschistischer Angriff auf einen Flüchtling, der in Horst leben muss.

Lager Horst - die zweite Woche der Proteste der Bewohner_innen, die noch immer warten, dass die Lagerleitung endlich mit ihnen über ihre Forderungen überhaupt redet.
Am Mittwoch hatte die Lagerleitung und das Innenministerium zu einem Rundgang im Lager Vertreter_innen von Parteien und ausgewählte Presse eingeladen, in dem hilflosen Versuch, die Stimmen von 300 Menschen, die dort leben und Forderungen haben, zum Schweigen zu bringen. Ohne einmal mit den Flüchtlingen zu reden oder ihre Forderungen ernst nehmen.

Am Samstag, den 25.9.2010 besuchten mehrere Menschen aus verschiedenen norddeutschen Städten und Solidaritätsgruppen nochmals die Flüchtlinge im Lager Horst. Wir wollten unsere Versprechen einhalten, dass wir sie unterstützen werden, solange ihre Forderungen von der Lagerleitung nicht wahrgenommen werden.

Der Versuch, ins Lager rein zu kommen, um einige Freud_innen zu besuchen, scheiterte schon wieder am Eingang, wo uns angekündigt wurde, dass das generelle Besuchsverbot weiter gilt. Wir dachten: „Das Lager ist offen und die Menschen sind frei und die Kontrollen an den Toren gelten ihrem eigenen Schutz....." Das ist die Ausrede, die wir seit Jahren hören, wenn wir fragen, warum es nötig ist, die Ausweise zu kontrollieren aller Menschen, die rein und raus gehen.

Ob es rechtlich zulässig ist, ein generelles Besuchsverbot ausgesprochen werden, sollte bitte ein Anwaltskanzlei überprüfen. Uns würde es viel besser gefallen, wenn es ein generelles Verbot für alle Mitarbeiter_innen und Angestellten geben würde, am liebsten für immer.

Für uns gibt es zum Glück den gastfreundlichen Parkplatz, den die Kinder innerhalb weniger Minuten bunt und fröhlich gestalten. Ein mitgebrachtes Fotostudio macht sofort sichtbar, wie viele Kinder da leben und von den Behörden bestraft werden, nicht zur Schule gehen zu dürfen, in dem sie und ihre Familien im Lager Horst untergebracht sind.

Schulpflichtige Kinder aus Hamburg nach Horst umverteilt
Mindestens zwei afghanische Familien mit schulpflichtigen Kindern (11-12-16) und (12-16) sind aus der Sportallee in Hamburg nach Horst gebracht worden, obwohl der Koalitionsvertrag sagt, dass keine Kinder, geschweige denn schulpflichtige Kinder, nach Horst verteilt werden dürfen.

19-jährige afghanische alleinstehende Frau abgelehnt, ihre Familie in Köln zu besuchen
Wir sprachen mit einer afghanischen 19-jährigen alleinstehenden Frau, die seit 9 Monaten im Lager Horst ist. Ihre Familie inklusive kleiner Geschwister leben in Köln als Flüchtlinge. Ihr wurde der Antrag abgelehnt, ihre Familie in Köln zu besuchen!

22 Monate in Horst eingesperrt und keine Erlaubnis deutsch in der Schule zu lernen!
Einem anderen jungen afghanischen Mann, der über ein Jahr in Horst leben muss, wird verweigert, Deutschunterricht zu nehmen und zur Schule zu gehen. Er sollte sich zufrieden geben mit dem Deutschunterricht, der einmal in der Woche für eine Stunde in Horst stattfindet, und sich noch 10 Monate gedulden - dann darf er nach Hamburg!!!!! 22 Montae zum Nixtun verurteilt.

Den Menschen in Horst und in allen anderen Lagern werden ihre Leben geklaut. Von Beamten, die sie verwalten, sie eingesperrt halten und sich sicher wähnen, dass diese Menschen keine Möglichkeit haben werden, so eingesperrt sich zu wehren, Hilfe zu holen, sich zu beraten, ihre Rechte zu erfahren.

Immer wieder wird klar, dass sich die Menschen aber trotzdem wehren und das jetzt auch im Lager Horst. Und wir werden weiter die Geschichten, die uns die Menschen erzählen, an die Öffentlichkeit bringen. Bis alle raus sind aus dem Lager und bis alle Lager weg sind.

Und als ob das alles nicht reichen würde, erfuhren wir zum Schluss dieses:

Das es in der Nacht des 18.09. einen Überfall auf einen afrikanischen Flüchtling gab an der Straße von Boizenburg 2 km vom Lager entfernt. Er wurde von 2 Nazis mit einer
Bierflasche am Kopf niedergeschlagen und als er schon am Boden lag
weiterhin getreten. Als ein PKW vorbeifuhr flüchteten die Täter. Als er wieder zu sich kam, schleppte er sich blutend zum Lager und informierte die Wachleute, die die Polizei und Sanitäter riefen. Er erstattete Anzeige und wurde in Boizenburg verhört, aber erst am nächsten Morgen ins Krankenhaus gebracht, wo er 4 Tage zur Behandlung blieb. Von zwei Polizisten vor Ort in Horst erfuhren wir, dass die Anzeige aufgenommen sei und jetzt ermittelt werde.

auf180
Horst 25.09.

Hier eine kleine Hilfe für mutige Schulen und Lehrer_innen, welche die Kinder vom Lager Horst zu sich zur Schule einladen könnten:
Ein Rechtsgutachten der Max-Traeger-Stiftung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kam 2005 zum Schluss, dass Schulleiter ungeachtet §87 des Aufenthaltsgesetzes nicht zur Meldung verpflichtet sind und dass statuslose Kinder wegen des im Grundgesetz festgelegten Gleichbehandlungsgrundsatzes einen Anspruch auf Schulzugang haben.

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