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Christy Omordion Schwundeck - Es war Mord! Redebeitrag auf der Gedenkdemonstration vom 2. Juni 2012

Christy Schwundeck

Wir dokumentieren im Anschluss den auf der Gedenkdemonstration vom 2. Juni 2012 in Frankfurt am Main gehaltenen Redebeitrag des Vereins zusammen e.V..

Liebe Freundinnen und Freunde, Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

wir - der Verein Zusammen e.V., sind uns einer Sache sicher: diesem Staat ist nicht über den Weg zu trauen. Unsere tägliche Arbeit besteht in einem Kampf gegen die staatlichen Angriffe auf unsere sozialen und politischen Rechte.

Deshalb überrascht uns auch nicht, dass der Generalstaatsanwalt Frankfurt am Main die Einstellung der Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft des selben Arbeitgebers bestätigt hat. Und für wen arbeitete die Polizistin, die Christy Schwundeck auf dem Gewissen hat? Auch für den gleichen Arbeitgeber: für den deutschen Staat. Warum sollten wir erwarten, dass ein Anwalt dieses Staates ein Interesse daran haben sollte, die eigenen Leute zu überführen?

Machen wir uns keine Illusionen. Von dieser verschworenen Gemeinschaft haben wir nichts zu erwarten.
Es ist derselbe Staat, der seit Monaten mehr schlecht als recht versucht, die Verstrickung der eigenen Behörden in die Nazimorde der Terrorgruppe NSU zu vertuschen. Es ist derselbe Staat, der kaum die eigene Verstrickung in die Morde von Solingen 1993 und Neonazi-Anschläge in Rostock-Lichtenhagen von 1992 verdecken konnte. Es ist derselbe Staat, der verantwortlich ist für den Tod von Amir Ageeb, der bei einer so genannten Abschiebemaßnahme Opfer brutaler Polizeigewalt wurde. Es ist derselbe Staat, der seit sieben Jahren alles dafür tut, um den Mord an Oury Jalloh durch die Polizei zu vertuschen. Die Liste ist lang.

Wollten wir auch noch erwähnen, dass es derselbe Staat ist, der für den Tod von Tausenden Flüchtlingen im Mittelmeer verantwortlich ist und derselbe Staat, der uns mit Kriegen, Versammlungsverboten, niedrigen Lebensstandards für die Masse der Bevölkerung und einer miserablen Bildung etc... immer wieder aufs Neue angreift, dann würden wir nicht mehr über Christy Schwundeck reden. Sie würde in Vergessenheit geraten, wie die unzähligen Opfer von Krieg und Terror, Hunger und Elend auf dieser verdammten Welt.

Doch diesen Gefallen leisten wir diesem Staat nicht. Nichts wünscht sich dieser Staat sehnlicher, als dass wir aufhören über Christy Schwundeck zu reden. Genauso über Oury Jalloh und all die anderen Opfer brutaler Staatsgewalt. Wenn sie wünschen, werden wir jeden Tag zu einem Gedenk- und Kampftag erklären, damit keiner jemals in Vergessenheit gerät.

Unsere Trauer und unsere Wut über Christys Tod lässt uns nicht all die Kämpfe vergessen, die wir noch zu führen haben. Der Kampf aber um die Aufklärung der konkreten Todesumstände von Christy Schwundeck ist ein Kampf gegen die Täter, gegen die Mörder, gegen die Rassisten, gegen die Verbrecher, gegen die Profiteure und all ihre Handlager. Gerade deshalb müssen wir alles dafür tun, dass dieser Kampf weiter geführt wird.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass es sich bei der Erschießung von Christy nicht um Notwehr handelte. Nach den eigenen Aussagen der Polizei befand sich die Polizistin im Flur, in 2,5 Metern Abstand von Christy. Ihr Kollege hatte auch die Waffe gezogen, aber nicht er schoss aus nächster Nähe, sondern sie aus 2,5 Metern Abstand. Sie gab keinen Warnschuss, sie schoss nicht in die Beine - Nein! sie entschied sich für den sicheren Tod von Christy und schoss in ihren Bauch.

Und weil wir das wissen, sagen wir: Es war Mord!
Soll doch derselbe Staat beweisen, dass es kein Mord war. Die Ermittlungen sollen wieder aufgenommen werden, ein ordentliches Gerichtsverfahren soll auf die Beine gestellt werden.

Christy war eine von uns. Sie wurde getroffen, gemeint sind wir alle. Kämpfen wir zusammen für die Aufklärung ihres Todes. Gerechtigkeit für Christy, ist Gerechtigkeit für uns.

Zusammen e.V. ruft alle auf die Initiative Christy Schwundeck bei ihrer harten Arbeit mit ganz konkreten Mitteln zu unterstützen: die Initiative braucht Geld, damit der Anwalt bezahlt werden kann und die laufenden Kosten gedeckt werden können. Also spendet großzügig. Die Initiative braucht helfende Hände für allerlei Arbeit, also kommt zu den Treffen und übernimmt Aufgaben.

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