Kampagne „Wir wollen Freiheit - Freiheit für die 10. September-Gefangenen“
Newsletter Nr. 8 - 13. Februar 2007
Dr. Laver Stroka protestiert gegen die Angriffe des türkischen Staates # Todesdrohung gegen Haci Orman, Vorsitzender von BEKSAV # Die Intellektuellen, Journalisten und Gewerkschafter: Wir sind besorgt! # Polizeiangriff auf das Haus des Eigentümers der Zeitung Atilim # Halil Savda wurde erneut verhaftet # Eylem Irgas frei # Ein Angriff auf ANKA'
Dr. Laver Stroka protestiert gegen die Angriffe des türkischen Staates
Der Herausgeber des Bulletins “16 Tetori” in Albanien, Dr. Laver Stroka, hat gegen die Angriffe des türkischen Staates auf die fortschrittlichen, demokratischen, linken und sozialistischen Personen protestiert. Dr. Stroka verkündete seine Solidarität mit unserer Kampagne, bezeichnete die Angriffe des Staates als Terror und verlangte die sofortige Beendigung der Angriffe sowie die unverzügliche Freilassung der verhafteten Personen.
Todesdrohung gegen Haci Orman, Vorsitzender von BEKSAV
Der am 31. Januar von der Polizei entführte Vorsitzende von BEKSAV, Haci Orman, wurde während seine Verhaftung mit dem Tod bedroht. Haci Orman wurde 2 Tage nach seiner Entführung am 2. Februar vor Gericht gestellt und durch Gerichtsbeschluss freigelassen. Nach seiner Freilassung machte er interessante Angaben über seine Entführung und die Erlebnisse unter Haft. Daraufhin wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen.
Die Mitarbeiter von BEKSAV haben am 8. Februar in Istanbul vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft mit einer Aktion gegen die Angriffe auf die Intellektuellen und Künstler protestiert. Die BEKSAV-Mitarbeiter, die ein Transparent mit der Aufschrift “Stoppt Entführungen und Verhaftungen. Haci Orman ist nicht allein” hochhielten, wurden von dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Künstler, Yusuf Cetin, sowie von Leman Yurtsever, Eren Keskin, Veysi Altay, dem EKD, der ESP, SGD, EHP und EMEP unterstützt.
Das Vorstandsmitglied von BEKSAV, Zuhal Yildirim, erklärte während der Aktion, dass Haci Orman entführt und bedroht wurde. Yildirim drückte ihre Besorgnis über das Leben von Haci Orman aus und verlangte die Verurteilung der Verantwortlichen. Weiterhin erklärte sie folgendes:
“Haci Orman wurde in der Antiterrorabteilung eine detaillierte Skizze der Wohnung, die er mit seiner Familie bewohnt gezeigt. “Unbekannte” sind seit August letzten Jahres bereits dreimal in seine Wohnung eingedrungen.
Er wurde unter Haft ständig mit Fragen bedroht: „Hast du keine Angst, alleine herumzulaufen? Was denkst du über den Tod?“ Er wurde Zeuge von Beschimpfungen und Drohungen gegen bekannte Intellektuelle wie Orhan Pamuk, Yasar Kemal, Akin Birdal, Osman Baydemir, Eren Keskin und Mehmet Bekaroglu. Die Mitarbeiter von BEKSAV sind empört, dass obwohl Haci Orman vom Gericht freigelassen war, gleichzeitig ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde
Auch die Menschenrechtsverteidigerin Frau Rechtsanwältin Eren Keskin hat an der Aktion teilgenommen und ein Redebeitrag gehalten. Keskin erzählte folgendes: “Mich hat man auch mehrmals versucht zu entführen. Das Ziel ist dass die Angst alles beherrscht. Aber die Angst hat uns nie beherrscht. Wir sind jederzeit mit BEKSAV solidarisch.”
Die Intellektuellen, Journalisten und Gewerkschafter: Wir sind besorgt!
Die Intellektuellen, Journalisten und Gewerkschafter haben gegen die Entführung des Vorsitzenden von BEKSAV, Haci Orman, und die Fortführung der Politik, die Intellektuellen einzuschüchtern, protestiert und Anzeige gegen die Verantwortlichen gestellt. Die Anzeige hat die Überschrift “Wir sind besorgt!” und folgenden Inhalt:
Die Angriffe auf die Mitarbeiter von BEKSAV und der Zeitschrift Sanat und Hayat (Kunst und Leben), insbesondere gegen den Vorsitzenden von BEKSAV, Haci Orman, haben zugenommen. Haci Orman wurde erst entführt und dann durch ein Gericht freigelassen. Aber gleichzeitig wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Die Mitarbeiter von BEKSAV werden auf der Straße angegriffen und es wird versucht, sie zu verhaften. Wir, die unterzeichnenden Intellektuellen, Künstler und Vertreter von demokratischen Einrichtungen, zeigen die Verantwortlichen an.
Folgende Intellektuelle und Vertreter von Einrichtungen haben die Anzeige unterschrieben: Sanar Yurdatapan, Abdurrahman Dilipak, Eren Keskin, Hürriyet Sener, Sungur Savran, Efkan Sesen, Hilmi Yarayici, Feyza Hepcilingirler, Ahmet Sik, Celal Baslangic, Perihan Magden, Esber Yagmurdereli, Mehmet Özer, Memik Horuz, Seza Mis Horuz, Irfan Kaygisiz, Raffi A-Hermoon, Veysi Sarisözen, Emin Karaca, Ugur Kutay, Gülseren Yoleri, Necati Abay, Cezmi Ersöz, Mihail Vasiladis, Bilgesu Erenus, Aysegül Yordam, Serap Akkilic, Yusuf Cetin, Beyhan Aksoy, Figen Genc, Sevin, Ruhan Mavruk, Pervin Buldan, Mukaddes Erdogdu Celik, Sedat Yılmaz, Nevim Dogan, Hasan Saglam, Leman Yurtsever, IHD Istanbul, EMEP Istanbuler Leitung, DTP Istanbul, SDP Istanbul, EHP, die Kulturzentren Baska Kültür Evi und Idil Kulturzentrum, Nazim Hikmet Kulturzentrum, Mesopotamien Kulturzentrum, Tohum Kulturzentrum, Yüz Cicek Acsin Kulturzentrum, ESP, EKD, die Zeitung Dayanisma, die Zeitung Atilim, Özgür Radyo, die Gewerkschaften Limter-Is, Tekstil-Sen und der SGD.
Polizeiangriff auf das Haus des Eigentümers der Zeitung Atilim
Am 08. Februar kam es seitens der Polizei zu einem Angriff auf die Wohnung des Besitzers der Zeitung Atilim, Ahmet Yaman, während er auf der Arbeit war. Die Polizisten, die sich bemühten, den Überfall als einen zufälligen Diebstahl darzustellen, ließen einige persönliche Dinge aus dermit sich gehen. Derartige Übergriffe häufen sich in letzter Zeit. Sie sollen dazu dienen, Atilim und andere revolutionäre und sozialistische Kräfte einzuschüchtern.
Halil Savda wurde erneut verhaftet
Halil Savda, bewusster Verweigerer des Militärdienstes, wurde am 08. Februar inhaftiert und erneut ins Gefängnis gesperrt. Nachdem er vorher bereits im Gefängnis gewesen war hatte man ihn zum Militärdienst geschickt. Dort beharrte er auf seinem Recht der bewussten Ablehnung des Militärdienstes und wurde daraufhin erneut ins Gefängnis gesperrt.
Eylem Irgas von der ESP ist frei
Eylem Irgas, eine ESP-Aktivistin, die am 22. Dezember in Malatya mit der Begründung verhaftet worden war, ein Haftbefehl läge gegen sie vor, der bereits bei dem Komplott im September, der sich auf das Antiterrorgesetz stützte, ausgegeben worden sei, ist am 08. Februar auf Beschluss des Gerichtes für Schwere Straftaten in Izmir freigelassen worden.
Ein Angriff auf ANKA', dessen Täter nur allzu bekannt sind
Am 08. Februar wurde in die Vertretung der ANKA Nachrichtenagentur in Istanbul eingebrochen und die Festplatten von den vier sich dort befindenden Computern wurden gestohlen. Auffällig ist, dass dieser Vorfall sich gleich im Anschluss daraufhin ereignete, dass diese Agentur aufgedeckt hatte, dass einer der Mörder von Hrant Dink, Erhan Tuncel, für JITEM (Geheimdienstliche und Antiterrorabteilung der Gendarmerie, eine konterrevolutionäre Organisation innerhalb der Armee, dessen Existenz offiziell vom faschistischen Staat geleugnet wird) gearbeitet hatte.