Lampedusa in Hamburg: Flüchtlingsprotest während der Kirchentage
Die Erklärung "Lampedusa in Berlin" (siehe interview mit Bashir: https://vimeo.com/65158161 und mit Ousmane: https://vimeo.com/65158162), die von Flüchtlingen des Protestcamps in Berlin-Kreuzberg veröffentlicht wurde, übernahmen Flüchtlinge in Hamburg, die sich in der gleichen Situation befinden. Sie begannen am ersten Mai 2013 ihren ersten öffentlichen Auftritt anlässlich des bundesweiten Kirchentages in Hamburg. Um 18 Uhr versammelte sich eine Gruppe von mehr als 50 Flüchtlingen mit Transparenten und Flugblättern im Hamburger Hafen, an dem Platz, wo ein Teil des Kirchtag-Programms stattfindet. Sie informierten die Öffentlichkeit und riefen zur Solidarität auf. Am 3. Mai von 10 Uhr morgens an wird die Gruppe der Flüchtlinge zusammen mit der KARAWANE und der linken Gruppe "atesh" den ganzen Tag über, Informationen verteilen, Filmdokumentationen zeigen und Gespräche führen. Der Platz, wo ihr uns treffen könnt ist: Sandtorkai (Hafencity) direkt vor der MS Anton (Flüchtlingsboot-Projekt).
Wir laden die Öffentlichkeit und die Medien zu kritischer Aufmersamkeit ein. Wir hoffen auf ein klares Signal der Hamburger Kirchen gegen die katastrophale Situation, in die die Menschen gestürzt wurden. Die Flüchtlinge sind entschlossen, sich der bundesweiten Flüchtlingsbewegung für Selbstbestimmung und Freiheit anzuschließen.
untenstehend die Erklärung "Lampedusa in Hamburg" sowie in englisch und französisch.
Lampedusa in Hamburg:
„Wir sind hier und gehen nicht zurück“
Wir sind Flüchtlinge aus Italien mit Internationalem Schutz aber ohne Rechte. Wir haben die NATO-Bombardierungen und den Bürgerkrieg in Libyen überlebt und wurden in Italien zu Obdachlosen.
Tausende von uns sind nun in Deutschland unter den gleichen Bedingungen – keine Unterkunft, keine soziale Unterstützung und keine Arbeitserlaubnisse.
Wir fordern eine politische Lösung: „Wir sind hier und wir gehen nicht zurück!“. Wir fordern unser Recht, unser Leben in Deutschland aufzubauen.
Wenn wir in Italien Überlebensmöglichkeiten gefunden hätten, würden wir dort bleiben. Es gab keine Möglichkeit mehr, dort zu bleiben. Die Italienische Regierung schloss Anfang des Jahres 2013 das „Nothilfeprogramm Nordafrika“ (Emergency North Africa). Wir wurden praktisch auf die Strasse gesetzt. 400-500 Euro wurden jedem Flüchtling gegeben und gesagt, dass wir das Land verlassen sollen. Wohin? Nach Nordeuropa.
Das Problem ist nun auf europäischer Ebene mit Deutschland als einem der mächtigsten Staaten und Entscheidungsmacher in der europäischen Migrations- und Asylpolitik. Das Dublin-System mit der Regelung, dass Flüchtlinge dem Land der ersten Ankunft „gehören“, zielt auf die Verweigerung der Flüchtlingsrechte frei über ihren Aufenthaltsort zu entscheiden. Es entspringt der gleichen Logik wie die Residenzpflicht.
Wir schließen uns dem Kampf, den Flüchtlinge in Deutschland seit fast 20 Jahren gegen das Deutsche Asylsystem führen, an. Der Kampf ist der gleiche.
Wir fordern unsere Rechte als anerkannte Flüchtlinge:
- Das Dublin-System muss beendet werden
- Unterkunft, soziale und medizinische Versorgung
- Arbeitserlaubnis und Bildungszugang
Hier in Hamburg kamen wir über den Winter in einer Obdachlosenunterkunft der Stadt unter. Diese wurde Anfang April geschlossen und wir erneut auf die Strasse gesetzt. Unsere Lage ist katastrophal.
Wir wollen nicht auf der Strasse leben, zu Strassenprostitution gezwungen oder in Drogengeschäfte oder andere kriminelle Machenschaften gezogen werden.
Wir schließen uns zusammen, rufen zu Solidarität und fordern unsere Rechte!
Kontakt:
Asuquo Udo: 0152 146 725 37
Affo Tchassei: 0176-717 402 36
Anane Kofi Mark: 0152-170 045 94





