Engin Celik befindet sich die dritte Woche im Hungerstreik
Behörden demonstrieren unbedingten Abschiebewillen und die politisch Verantwortlichen verstecken sich
Auruf zur Kundgebung vor dem Bundesamt in Nürnberg
Wir rufen auf, am Montag, den 05 Februar um 11 °° Uhr sich zum Protest vor dem Bundesamt in Nürnberg zu versammeln.
Wir rufen auf alles zu tun, um das Unrecht gegen Engin Celik zu stoppen, seine Freilassung und seine Asylanerkennung zu erreichen.
Der oppositionelle kurdische Künstler Engin Celik kämpft mit festem Willen für sein Asylrecht. In der dritten Woche seines Hungerstreiks machen sich zunehmende gesundheitliche Auswirkungen bemerkbar. Engin Celik schreibt uns aus dem Gefängnis, daß wir uns keine Sorgen machen sollen, er habe schon viel mitgemacht und dass er sicher sei, daß wir uns bald umarmen werden. In der letzten Woche war er aus der Abschiebehaft in Offenbach in die JVA Gießen verschleppt worden. Niemand wurde informiert, erst nach drei Tagen konnten wir seinen Aufenthaltsort in Erfahrung bringen. Jetzt wird er im Strafvollzug festgehalten, damit er keinen Kontakt zu anderen Abschiebegefangenen haben kann. Die Behörden haben Angst vor seiner Entschlossenheit und seiner Ausstrahlung auf andere.
In der JVA Gießen ist nur eine Stunde im Monat Besuch möglich. Telefonate sind untersagt. UnterstützerInnen haben gefordert, dass ein Vertrauensarzt ungehindert Engin Celik aufsuchen kann und dass die Besuchsbeschränkungen aufgehoben werden.
Am Montag, den 29. Januar, fand in Kiel vor dem Innenministerium eine Kundgebung für die Freilassung Engin Celiks statt. Tage vorher hatte die Karawane den Innenminister um einen Gesprächstermin gebeten. Dieser verweigerte jede Stellungnahme und niemand aus seinem Ministerium wollte mit den Delegierten sprechen oder die hunderte Protestbriefe entgegennehmen. Der Innenminister, Ralf Stegner, dessen Auftrag der Schutz aller im Bundesland Schleswig-Holstein lebenden Menschen laut der Landesverfassung ist, schweigt und läßt seine ihm untergebenen Behörden ihr antidemokratisches Spiel mit Menschenleben treiben.
Die zuständige Ausländerbehörde erklärte, dass sie auf jeden Fall abschieben werden und dass das Bundesamt in diesem Sinne auch entscheiden würde. Deutlicher kann kaum gemacht werden, dass Asylverfahren im Grunde nur ein Farce sind, die das Bild von einem fairen, demokratischen Prozeß vortäuschen sollen, aber mit der Realität nichts zu tun haben.
Wenn Vertreter der Bundesregierung bzw ihre Vorgänger dafür gesorgt haben, dass ein unschuldiger Mensch jahrelang in einem Folterlager fest saß, weil er Türke ist und weil man ihn nicht wollte, wird deutlich wie schwer die Situation für verfolgte, asylsuchende Menschen in Deutschland geworden ist.
Das Bundesamt in Lübeck ,das zuständig war, über den Asylfolgeantrag Herrn Celiks zu entscheiden, hat sich entschieden, den Fall nach oben weiterzuleiten. Jetzt ist das Zentrale Bundesamt in Nürnberg zuständig. Längst schon hätte die Durchführung des Verfahrens entschieden werden können. Aber dies scheint im Widerspruch zum politischen Willen der Amtsträger des Staates zu stehen. Obwohl das UNHCR auf den Fall aufmerksam geworden ist und eine Prüfung für angebracht hält und obwohl mittlerweile an die tausend Menschen die Forderung nach Asylanerkennung für Herrn Celik fordern, kommt keine Reaktion.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Frankenstraße 210, Nürnberg