12. März 19.30 im Max und Moritz
Oranienstr. 162 (U-Moritzplatz/Kottbusser Tor)
Am 6. und 7. März 2007 fand in Würzburg vor einem Militärgericht der Prozess gegen den in Schweinfurt stationierten US-amerikanischen Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo statt, wo er zu acht Monaten Haft verurteilt wurde. Aguayo, der sich bereits seit Jahren um die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissengründen bemüht, hatte sich am 2. September 06 seiner drohenden gewaltsamen Verbringung zu einem zweiten Kriegseinsatz im Irak durch Flucht entzogen. Während seines ersten Kriegseinsatzes im Irak (2004/05) in seiner Eigenschaft als Sanitäter hatte er bereits entgegen seinen Überzeugungen eine Waffe tragen müssen.
In den USA stößt der Fall des Kriegsdienstverweigerers, besonders angesichts der selbst unter Militärs zunehmenden Ablehnung einer Ausweitung des Irak-Feldzugs, auf großes Interesse. Durch das Verhalten von Menschen wie Aguayo, die erlebt haben, was die US-Besatzung im Irak anrichtet, und daraus die Konsequenz ziehen, sich radikal zu verweigern, werden andere Soldaten ermutigt und die Anti-Kriegsbewegung in den USA gestärkt.
Ein breites Bündnis von Persönlichkeiten und Gruppen der deutschen und der in Deutschland aktiven US-Friedensbewegung engagiert sich daher nicht nur für Agustín Aguayo, sondern zusammen mit ihm und der US-Friedensbewegung dafür, Kriege und mörderische Besatzungen zu beenden.
Der Fall Aguayo illustriert nur zu deutlich, wie weit die deutsche Unterstützung des Irak-Krieges geht, denn die US-Basen auf deutschem Boden sind unerlässlich für die Kriegführung. Dazu gehört auch, dass sie quasi rechtsfreie Räume darstellen.
Gespräch darüber u.a. mit:
Helga Aguayo, der Ehefrau und den beiden Töchter, Rachel und Rebecca, und Susana, der Mutter Aguayos; mit Lori Hurlebaus, Gründerin von Courage to Resist, UnterstützerInnen von VerweigerInnen; mit Fernando Suarez del Solar, Vater eines im Irak-Krieg Gefallenen und Gründer von Gerrero Azteca, Solidaritätsgruppe von Eltern gefallener US-Sodaten mit lateinamerikanischem Hintergrund; sowie mit VertreterInnen der deutschen Friedensbewegung
Einladung
Pressekonferenz zum Fall Aguayo
Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
anlässlich des Prozesses der US-Amee gegen den mexikanisch-amerikanischen Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo am 6. und 7. März in Würzburg findet eine Pressekonferenz in Berlin statt. Dort haben Sie Gelegenheit, mit Angehörigen von Agustín Aguayo sowie mit VertreterInnen der US-amerikanischen und der deutschen Friedensbewegung (s.u.) zu sprechen:
Montag 12. März 2007 10 Uhr
Haus des DGB Jugendzentrum Raum 5
Keithstr. 1 – 3 (U-Wittenbergplatz)
Der Prozess gegen Agustín Aguayo, dem Fahnenflucht vorgeworfen wird - es drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft - findet am 6. und 7. März in Würzburg statt. Auf der Berliner Pressekonferenz werden die Ehefrau Aguayos, die als Zeugin zu den Verhandlungen geladen ist, und Wolfgang Kalek vom Republikanischen Anwälteverein bereits zum Prozess Stellung nehmen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Von der Familie Aguayo:
Helga, die Ehefrau und die beiden Töchter, Rachel und Rebecca sowie die Mutter Aguayos. Die Angehörigen Agustíns unterstützen engagiert seine Verweigerung.
Von der deutschen Friedensbewegung:
Laura von Wimmersperg, Sprecherin der Friedenskoordination Berlin ...
Von der US-Friedensbewegung:
Lori Hurlebaus, Gründerin von Courage to Resist, der Organisation in den USA, die bis jetzt etwa zwanzig Soldaten und Offiziere betreute, die für ihren öffentlichen Widerstand bestraft werden sollen. Derzeit sind die wichtigsten Fälle der des Lt. Ehren Watada und der von Agustín Aguayo.
Elsa Rassbach, US-Bürgerin in Berlin und Gründerin von American Voices Abroad (AVA) Military Project, einem Netzwerk von US-BürgerInnen in Europa, das u.a. den Fall Aguayo seit Anfang 2005 mitbetreut und Gelder für seine Anwaltskosten sammelt.
Fernando Suarez del Solar, Vater eines im Irak-Krieg Gefallenen und Gründer von Gerrero Azteca, einer Initiative von Eltern gefallener US-Soldaten mit lateinamerikanischem Hintergrund
Kontakt: Elsa Rassbach, American Voices Abroad, Military Project;
Tel.: 030 326 015 40; mob.: 0170 738 1450
Sophia Deeg, Tel.: 030 88007761; mob.: 0179-9878414
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Connection e.V. und Military Counseling Network (MCN)
8 Monate Haft für US-Verweigerer
Ungerechtes Urteil gegen Agustín Aguayo in Würzburg
Der US-Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo wurde gestern von einem US-Militärgericht in den Leighton-Barracks in Würzburg zu einer Haftstrafe von 8 Monaten verurteilt. Er war wegen Desertion und Verpassen der Verlegung der Einheit angeklagt worden. Zugleich verfügte das Gericht eine Degradierung und eine unehrenhafte Entlassung.
Agustín Aguayo hatte sich Anfang September 2006 geweigert, sich zwangsweise zum erneuten Einsatz in den Irak bringen zu lassen und sah sich genötigt, für einige Wochen die Armee unerlaubt zu verlassen. Er versucht seit fast drei Jahren vergeblich, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Agustín Aguayo war als Sanitäter in der 1. Infanteriedivision in Schweinfurt stationiert und bereits ein Mal mit seiner Einheit in den Irak geschickt worden.
In der gestrigen Verhandlung hatte Agustín Aguayo noch einmal seine Gewissensentscheidung deutlich gemacht, die ihn dazu bewogen hatte, am 1. September 2006 der Verlegung in den Irak nicht nachzukommen und für einige Wochen aus der Armee zu fliehen. Er schloss mit dem Satz ab: "Hier stehe ich und kann nicht anders."
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 30 Monaten gefordert, um weitere SoldatInnen von ähnlichen Handlungen abzuschrecken. "Hier muss ein Zeichen gesetzt werden", hatte der Staatsanwalt in der Verhandlung erläutert.
Verteidiger David Court machte deutlich, dass Agustín Aguayo "ein Mann des Gewissens" und er "bereits 161 Tage als Gewissensgefangener inhaftiert ist".
Das Urteil wurde vom Einzelrichter am frühen Abend des 6. März verkündet: 8 Monate Haft. Die bisherige Haftzeit von 161 Tagen wird angerechnet. Da Agustín Aguayo bereits seit dem 26. September 2006 inhaftiert ist, wird er bei guter Führung voraussichtlich in etwa 40 Tagen aus der Haft entlassen werden.
Michael Sharp vom Military Counseling Network (MCN), das Agustín Aguayo seit drei Jahren begleitet, sagte im Anschluss an das Urteil: "Agustín Aguayo hat nichts im Gefängnis zu suchen. Aber angesichts der drohenden Haftstrafe von bis zu 7 Jahren wegen Desertion und Verpassen der Verlegung der Einheit bin ich doch froh, dass er zu 8 Monaten verurteilt wurde. So kann er seine Familie bald wiedersehen."
Rudi Friedrich von Connection e.V. erklärte nach dem Prozess: "Dies Urteil ist ungerecht. Seine Handlung, die hier bestraft wurde, war nur eine Konsequenz seiner Gewissensentscheidung. Agustín Aguayo hätte als Kriegsdienstverweigerer nie in den Krieg im Irak geschickt werden dürfen. Er hätte stattdessen aus der Armee entlassen werden müssen."
Connection e.V. und das Military Counseling Network bitten weiter um Unterstützung für den US-Kriegsdienstverweigerer Agustín Aguayo:
* durch Spenden auf das Sonderkonto 7085704 von Connection e.V., Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 37020500 oder über die Webseite www.AguayoDefense.org
* durch Teilnahme an der online-Postkartenaktion
gez. Michael Sharp, MCN (06223-47506)
Rudi Friedrich, Connection e.V. (069-82375534)
Weitere Informationen unter oder http://www.aguayodefense.org(Englisch)
Max & Moritz Adresse: Oranienstraße 162, Berlin Kreuzberg