Hasankeyf 23.3.07
Rund 300 Menschen versammelten sich heute in dem kleinen Dorf Suceken am Tigris zum Hasankeyf-Aktionstag. Darunter etwa 130 Delegationsmitglieder aus Italien, Deutschland, Frankreich, Grossbritanien, der Schweiz, Österreich, Belgien, dem Baskenland und den Niederlanden. Wenn das Ilisu-Staudammprojekt nicht gestoppt wird, wuerde nicht nur das Jahrtausende alte Hasankeyf, sondern auch das Dorf Suceken von den Wasserfluten verschlungen werden. Die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger forderte in einem flammenden Appell die Regierungschefs Angela Merkel und Alfred Gusenbauer auf, die Kredite fuer das Staudammprojekt auf keinen Fall zu bewilligen. Jagger bezeichnete Hasankey als eine Schatzkammer der Menschheitskultur und forderte, die Vertreibung der Menschen im Tigristal zu verhindern. Ein Sprecher des Özgür Halk Hareketi kündigte an, sich mit allen Kraeften gegen das Staudammprojekt einzusetzen.
Der deutsche Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann (Linkspartei.PDS) appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Hermesbürgschaft für die Baukredite die Beteiligung am Krieg gegen die Kurden bedeute: 'Wenn Sie, Angela Merkel, sich in einem Atemzug mit den Taliban nennen lassen wollen, die 2001 buddhistische Statuen in Afghanistan zerstört haben, dann müssen Sie die Kredite für dieses Projekt freigeben.'
In einem neu angelegten 'Park der Hoffnung und Solidaritaet' pflanzte Bianca Jagger mit den Aktivistinnen und Aktivisten sowie Dorfbewohnern Sucekens 65 neue Baeume an. Jeder Baum traegt ein Schild mit seinem Patennamen, darunter zahlreiche deutsche und europaeische Parlamentarier, die oesterreichische Kronenzeitung und andere. Dieser neugepflanzte Wald soll in einem unberuehrten Tigris-Tal wachsen koennen.
Beim anschliessenden Besuch von Hasankeyf entrollten italienische Aktivistinnen und Aktivisten in einer Blitzaktion ein Transparent vom höchsten noch erhaltenen Gebaude auf dem Berg über Hasankeyf thronend - mit dem Slogan: 'Let Tigris flow'. Die zahlreichen Polizisten, welche die Delegationsteilnehmer auf Schritt und Tritt bespitzelten, waren komplett überrumpelt. Sie benoetigten eine ganze Weile, bis sie das Transparent wieder eingeholt hatten. Im Gespraech mit den auslaendischen Delegierten klagten Bewohner Hasankeyfs: 'Allein die Frage, wie wir über die Überflutung Hasankeyfs denken, schmerzt uns so sehr. Natürlich wollen wir für immer hier bleiben. Ohne Hasankeyf können wir nicht weiterleben.'