Dass die türkische Armee bei ihrer Invasion in Irakisch-Kurdistan im Februar 2008 viel höhere Verluste hatte als angegeben, ist seit langem bekannt. Im April erklärte eine Soldatenmutter gegenüber der Zeitung Özgür Politika, ihr bei der Operation ums Leben gekommene Sohn sei auf Befehl des Militärs und des "Vereins der Märtyrerfamilien" heimlich begraben worden. Als Begründung sei ihr gesagt worden, man wolle der PKK keine Freude machen". Vom Tod ihres Sohnes habe sie erst fünf Tage
später erfahren.
Zur Beerdigung ihres Sohnes erklärte G.C.: "Wir haben ihn
nachts begraben. Eine Trauerfeier fand nicht statt. Sie sagten uns: Machen wir den PKKlern keine Freude'. Eine Person vom Verein der Märtyrerfamilien' kam und meinte, er solle für den Staat' in der Dunkelheit begraben werden. Ihr Sohn hätte das so gewollt', sagte er. Personen mit Rangabzeichen sagten außerdem, es könne bei einer Trauerfeier zu Auseinandersetzungen kommen und wir sollten dem türkischen Militär vertrauen. Mein Sohn hat nicht für die Befreiung von Izmir oder Antep gekämpft. Wie soll ich sagen, es war fürs Vaterland?
Wie soll ich einen weiteren Sohn zum Militär schicken? Von wem soll ich wofür Rache fordern? Weil ich leide, soll ich deshalb fordern, dass auch andere leiden? Wenn darüber offen
gesprochen wird, vielleicht hört es dann auf, dass Mütterherzen brechen, junge Menschen sterben und heimlich begraben werden. Ich habe keine Angst, aber ich habe Enkel und Töchter.
Was wird mit ihnen geschehen, wenn ich offen im Fernsehen
oder in einer Zeitung spreche? Werden nicht die, die meinen
Sohn heimlich begraben haben, auch meinen Enkel heimlich
etwas antun? Wer auf Krieg setzt, ist kein Moslem, kein Mensch.
Recep Tayyip Erdogan schickt unsere Kinder in die Berge. Soll er erst seine eigenen schicken und dann den Mund aufmachen.
Nur türkische, kurdische Mütter können diesen Krieg stoppen.
Wer ein Gewissen hat, hört auf die Mütter."
(ANF, 15.4.2008, ISKU)