8. März 2013 - Trauerkundgebung anlässlich des Mordes an Yüsra Sukaya
Yüsra Sukaya wurde am 8. März, dem Internationalen Frauentag, durch ihren Ehemann Mehmet Sukaya in Düsseldorf ermordet. Sie hatte geplant an diesem Tag an den 8. März Feierlichkeiten teilzunehmen. Stattdessen protestierten am Mittwoch Mittag ca. 120 Frauen und einige wenige Männer vor der Wohnung von Yüsra Sukaya in der Potsdamer Str. in Düsseldorf, gegen ihre skrupellose Ermordung. Die verschiedenen TeilnehmerInnen der Trauerkundgebung, u.a. auch Freunde und Nachbarn, waren schockiert, wütend und fassungslos zugleich. In dem Redebeitrag am Kundgebungsplatz der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA und des kurdischen Frauenbüros für Frieden Cenî wurde die Tat verabscheut und hervorgehoben, dass das familiäre Umfeld von Yüsra Sukaya zu dieser Tat maßgeblich beigetragen hat. „Gewalt muss gesellschaftlich verachtet werden“, sagte Frau Nack von UTAMARA. Im Anschluss haben verschiedene Frauen ihre Trauer und Wut zur Sprache gebracht. Eine kurdische Frauenrechtsaktivistin machte deutlich: „Um gegen solche Gewalt anzukämpfen müssen wir uns gemeinsam engagieren. Jede und jeder kann, wenn sie Frauen kennen, die von Gewalt betroffen sind, diese aktiv unterstützen und damit eine solche Tat verhindern!“ Alle forderten eine gerechte Strafe für diese Tat und die Sicherheit der drei Kinder. Eine Anwältin hinterfragte die Verantwortung der Polizei, Behörden und andere Organisationen in diesem Mord. Trotz mehrmaliger Unterstützungsanfragen von Yüsra Sukaya wurde ihre Lebensbedrohung nicht ernst genommen.
Am 8. März 2013 hat der Ehemann Mehmet Sukaya seine Frau Yüsra Sukaya ermordet und ist mit den gemeinsamen drei Kindern direkt nach dem Mord abgeflogen. Er hatte bereits am 7. März einen Flug gebucht. Die detaillierte Planung macht die Grausamkeit und Hinterhältigkeit seiner Tat deutlich.
Yüsra Sukaya hatte bereits geplant zu der großen Frauendemonstration nach Paris zu fahren, um dort an den 8. März Feierlichkeiten von kurdischen Frauenorganisationen teilzunehmen. Diese waren den drei kurdischen Politikerinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan, Leyla Saylemez gewidmet, die weltweit Symbol für Frieden und Freiheit für Frauen waren und im Januar in Paris ermordet wurden. Sie wollte mit ihrer Teilnahme ihren Protest gegen die Ermordungen von Frauen weltweit und diesen politischen Morden ausdrücken.
Yüsra Sukaya war eine Frau und Mutter, die sich wie viele Frauen vielfach gegen die systematische Gewalt seitens der Ehemänner gewehrt hat, die jedoch keine Unterstützung von der Gesellschaft erfahren hat: Sie hat ihren Ehemann mehrfach angezeigt und ist sogar für einige Zeit ins Frauenhaus geflüchtet. Jedes Mal wurde sie jedoch von ihrer Familie unter Druck gesetzt, ihre Bemühungen für selbstbestimmtes und friedliches Leben einzustellen und die Anzeigen zurückzunehmen. Das Verhalten ihres Ehemannes wurde jedoch durch diese patriarchale Mentalität nicht gestoppt, sondern in seinen Taten noch befördert. Die Konsequenz dieser Denkweise, dass „alles Schlechte in der Familie bleiben sollte“ ermöglichte dem Ehemann diesen schrecklichen Mord durchzuführen.
Yüsra Sukaya wurde bereits als junges Mädchen mit dem Sohn ihres Onkels väterlicherseits zwangsverheiratet. Ihr Mann hat seit dem Beginn der Verlobung, also seitdem er sie zur Heirat nach Deutschland gebracht hatte, systematisch gegen sie psychische und physische Gewalt ausgeübt. Noch vor der Heirat schoss ihr Verlobter sie bereits einmal ins Bein. Er fand immer wieder fadenscheinigen Begründungen, um gegen sie Gewalt anzuwenden.
Vor 2 Jahren griff ihr Ehemann sie mit dem Messer an, woran sie beinahe gestorben wäre. Aufgrund ihrer Anzeige wurde ihr Mann drei Tage lang in Haft genommen. Jedoch übte ihre Familie Druck auf sie aus, die Anzeige zurückzunehmen. Statt sie in dieser Situation zu unterstützen und Druck auf den Mann auszuüben, dass seine Gewalttaten von der Familie nicht akzeptiert werden. Aus Mangel an dieser Solidarität hat sie ihre Anzeige wieder zurückgenommen. Mehmet Sukaya erhielt zwar das Verbot, sich ihr und der gemeinsamen Wohnung zu nähern, aber sogar diese Maßnahme wurde aufgrund des Familiendrucks aufgehoben. Mithilfe seiner Familie hat Mehmet Sukaya es geschafft Yüsra Sukaya so stark zu isolieren, dass sie keine Unterstützung mehr in Anspruch nehmen konnte.
Yüsra Sukaya war die Mutter von drei Kindern. Sie wollte mit vielen anderen Frauen gemeinsam am 8. März, dem Internationalen Frauentag, für Frauenrechte auf die Straße gehen. Weil sie wieder aufstehen wollte und ihr Leben selbst bestimmen wollte, wurde sie durch ihren Ehemann Mehmet Sukaya, einem „nahen“ Familienangehörigen, erdrosselt.
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Die Frauenflüchtlingskonferenz
19.04. - 21.04.2013
in Hamburg
Flüchtlingsfrauen sagen: „Es reicht!“
von der Flüchtlingsfrauenkonferenz zum Tribunal in Berlin