Die Karawane lädt ein
zur Auftaktveranstaltung der Nigeria Kampagne
Donnerstag 12. August
20 Uhr im Kulturzentrum Paradox
Bernhardstr. 10-12
Viele mögen sich noch an das tragische Schicksal des nigerianischen Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten Ken Saro Wiwa erinnern. Weil er sich unermüdlich gegen die Zerstörung seines Landes durch den Ölmulti Shell einsetzte, ließ ihn das damalige Abacha Regime trotz bedeutender internationaler Proteste hinrichten. Es bestand kein Zweifel über den menschenverachtenden Charakter des Regimes Abacha und seiner Vorgänger sowie den todbringenden Praktiken der Ölmultis.
Doch die öffentliche Wahrnehmung hier in Deutschland hat sich in Bezug auf Nigeria gründlich gewandelt, niemand spricht mehr über die anhaltenden Verwüstungen des Niger Deltas durch Shell, Chevron, Schlumberger, Texaco, Esso etc. - selbst wenn diese Firmen für die soziale Unruhe und die allgemeine Unsicherheit für Besitztümer und menschliche Unversehrtheit im Niger Delta verantwortlich sind.
Seit General Olasun Obasanjo 1999 das Amt des Präsidenten antrat, wird Nigeria hierzulande als demokratischer Rechtsstaat angesehen. Zwar werden kleine „Schönheitsfehler“ eingeräumt, wie die Einführung der Sharia in zahlreichen Bundesstaaten des Nordens und die gewaltsamen Zusammenstösse zwischen christlichen, muslimischen und verschiedenen ethnischen Gruppen, die seit 1999 über 12.000 Menschenleben gefordert haben. Aber dies wird hierzulande schnell zur „Afrikanischen Kultur“ verklärt, welche das Regierung Obasanjo zu „zivilisieren“ trachtet.
Völlig ausser Acht gelassen wird die Tatsache, dass das Militär nach wie vor die Geschicke des Landes Kontrolliert. Die einfachen Menschen erleben ungebrochen die selbe Willkürherrschaft durch die stets gegenwärtigen Soldaten. Die meisten politischen Führungspositionen werden weiterhin von den Militärs gehalten. Das Ausmass der Korruption hat sich die letzten Jahre noch deutlich verschlimmert. Aber nur wenige trauen sich öffentlich dagegen zu protestieren. Ein Klima der Angst und des gegenseitigen Misstrauens herrschen in der Gesellschaft. Das Töten politischer Opponenten, selbst von Personen in hohen Ämtern, hat in den letzten Jahren ein solches Ausmaß angenommen, dasses schon als Teil ds politischen Prozesses angesehen wird.
Dort wo die Unterdrückung am stärksten ist, im Ölreichen Niger Delta und im Siedlungesgebiet der größten Bevölkerungsgruppe des Südens, bei den Yoruba, leistet die Bevölkerung jedoch auch massiven Widerstand gegen Korruption und die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen. Das Obasanjo Regime antwortet dort mit offenem Terror, wie mit der Zerstörung der Stadt Odi im Niger Delta durch das Militär. Während sich die Opposition für die souveräne Nationalkonferenz (wo alle Bevölkerungsgruppen eine gemeinsame Verfassung ausarbeiten sollten, die niemanden benachteiligt) eintrat und es daraufhin im Westen des Landes zu Protesten kam, befahl Obasanjo Polizei und Militär scharf zu schießen. Die Menschenrechtsverletzungen durch das Militärregime waren nichts gegenüber den jetzigen Grausamkeiten.
Die Bundesregierung übersieht diese Menschenrechtsverletzungen und brandmarkt den legitimen Widerstand und den ruf nach Selbstbestimmung als Terrorismus. Das hat die fatale Konsequenz, dass quasi keine Nigerianer mehr als politische Flüchtlinge anerkannt werden, und dementsprechend schnell abgeschoben werden. Obwohl die das Personal der deutschen Botschaft sich nie ohne kugelsichere Weste auf die Straße traut. Deshalb müssen nigerianische Flüchtlinge in Deutschland meist illegal leben. Wenn sie von der Polizei aufgegriffen werden, sind sie gezwungen ihre nigerianische Identität zu verleugnen, um nicht abgeschoben zu werden. Das ist besonders fatal für politische Aktivisten, denen daran gelegen ist, das Schicksal der Menschen ih ihrem Land hier öffentlich kundzutun.
Das widerfährt gerade dem nigerianischen Mitglied der Karawane Bremen Babatope Moses Bodunde.Bundesamt und Verwaltungsgericht haben seinen Asylantrag abgelehnt. Sie behaupten, ihm seine Verfolgung wegen seiner Aktivitäten in der Aliance for Democracy AD und in dem Ooduas People's Congress OPC nicht zu glauben. Ihm droht die baldige Abschiebung!
Wir laden Euch deshalb ein, sich über die Lage der Menschenrechte, aber auch über den politischen Widerstand in Nigeria zu informieren. Ausserdem wollen wir gemeinsam überlegen, wie mit kritischer Gegenöffentlichkeit und politischem Druck die Abschiebung unseres Freundes Moses und anderer Flüchtlinge nach Nigeria verhindert werden kann.
Sprecher: Dr. Anthony Edeh und Babatope Moses Bodunde
Moderator: Sunny Omwenyeke