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Abschiebung verhindern!

Familie Kurt kämpft um ihr Bleiberecht!

Der UnterstützerInnenkreis der Familie Kurt aus Solingen bittet um ihre Mithilfe!

Familie Kurt lebt seit über 15 Jahren in Solingen. Alle 4 Kinder sind in Deutschland aufgewachsen, zur Schule gegangen und im Alltag und Freundeskreis hier voll integriert. Allein die Eltern haben eine bewegende Fluchtgeschichte hinter sich:
Aufgewachsen im Libanon erlebten sie die Schrecken des Bürgerkrieges, flohen nach Syrien und in die Türkei, gerieten dort zwischen die Fronten des Krieges zwischen dem türkischen Staat und der PKK, flohen erneut in den Libanon, bevor sie schließlich in Deutschland Schutz suchten. Hier hofften sie auf einen sicheren Aufenthalt und bemühten sich ständig um Arbeit. Doch die rigide Praxis der Ausländerbehörden und falsche Beratung durch Rechtsanwälte führten zu ständig unsicherem Aufenthaltsstatus: die Familie mußte sich kurzfristig verstecken, suchte schließlich Zuflucht im Kirchenasyl und wurde auch zeitweilig getrennt durch die Abschiebung des Vaters in die Türkei! Seit seiner Rückkehr erhält die Familie Duldungen, die oft nur im 1-2-Wochen-Rhythmus verlängert werden.
Dies bedeutet ständige Angst vor Abschiebung, eine permanente Stresssituation und nicht zuletzt die Unmöglichkeit, sich durch eine Arbeitsstelle hier eine solide Basis zu verschaffen! Denn: ohne Arbeitserlaubnis keine Arbeit und ohne Arbeit immer wieder die Furcht vor Abschiebung!

Dieser Teufelskreis von immer sich erneuernden Duldungen – die Praxis der Kettenduldungen – gehört abgeschafft! Die Familie muß endlich ein Bleiberecht erhalten!

Und nicht nur das: es ist nicht verantwortbar, Menschen, die hier aufgewachsen und verwurzelt sind, in ein Land abzuschieben, mit dem sie nicht zu tun haben und in dem ihnen keine Perspektiven gegeben sind! Es ist daher unerläßlich, für die ganze Gruppe eine bundesweite Bleiberechtsregelgung zu beschließen!!!

Aus diesem Anlaß rufen wir auf zu einer

Mahnwache vor dem Ausländeramt Solingen, Cronenberger Str. 59/61
Jeden Donnerstag ab dem 22. September, jeweils von 16 – 18 Uhr!

Dort werden in den nächsten Wochen Informationsveranstaltungen, Filmvorführungen und Konzerte rund um das Thema „Staatenlose LibanesInnen“, Flüchtlingspolitik und institutioneller Rassismus stattfinden!

Bleiberecht für Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon!

Wir rufen ferner auf zu einer Protestfaxkampagne!
Mailen Sie an das Ausländeramt unter ala@solingen.de oder faxen Sie unter 0212/290-2767!
Einen Bespieltext findet/finden ihr/Sie unten auf dieser Seite.

Wir fordern das Ausländeramt auf:

· Berücksichtigen sie die Vielzahl der Informationen über Fluchtgeschichten und ihre Hintergründe und die humanitären Aspekte in jedem Einzelfall.
· Machen sie von der Möglichkeit eines positiven Ermessensspielraumes Gebrauch.
· Behindern Sie nicht länger den Zugang zu Bildung und Arbeit als Voraussetzung zur Integration.
· Anerkennen Sie die arabischen Namen der Flüchtlinge und nehmen sie die erzwungenen Namensänderungen aufgrund der falschen türkischen Personenstandsregister zurück.
· Treten Sie mit uns der fortgesetzten Diffamierung dieser Bevölkerungsgruppe entgegen.
· Gewähren Sie der Familie Kurt sofort einen legalen Aufenthalt

Bleiberecht für alle!

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Staatenlose LibanesInnen: Tausenden Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon droht nach mehr als 15 Jahren Leben in Deutschland die Abschiebung. Allein in NRW sind ca. 2.000 Menschen betroffen. Ihnen droht die Abschiebung in die Türkei. Dies allein deshalb, weil sie einer arabischstämmigen Minderheit angehören, deren Vorfahren in der Türkei gelebt haben und seit den 20er Jahren in den Libanon ausgewandert sind. Von dort flohen sie in den 80er Jahren aus dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland.
Mittlerweile leben die Familien seit 10-20 Jahren hier. Der Großteil der Menschen, die abgeschoben werden sollen, sind Kinder und Jugendliche – die meisten von ihnen sind hier geboren und aufgewachsen. Viele Familien sind mittlerweile in Schule, Arbeit und Freundeskreis integriert. Viele wurden jedoch gezwungen, die türkische Staatsangehörigkeit anzunehmen, um sie leichter dorthin abschieben zu können; d.h. die Ausländerbehörden stellen ihnen nur eine Duldung unter einem türkischen Familiennamen aus. Ansonsten drohe ihnen als Illegalisierte die sofortige Abschiebehaft!

Bassima El-Zein, geb. 05.05.1987. „Mit 3 Jahren mussten meine Eltern mit mir nach Deutschland wegen des Bürgerkriegs fliehen. Seit 1991 nennt die Ausländerbehörde mich Besime Kurt. Ich war auf der Hauptschule Höhscheid und habe dort auch meinen 10A Abschluss bekommen. Momentan sitze ich zuhause ohne Schule, Ausbildung und Arbeit, weil ich keine Erlaubnis von der Aus-länderbehörde kriege. Meine Zukunftspläne sind geplatzt. Ich bin psychisch am Ende, habe ständig Kopfschmerzen, kann nicht schlafen, mich auf nichts mehr konzentrieren, muss ständig überlegen, wie es weiter gehen soll. Ich wäre froh, wenn ich bald nicht mehr mit der Angst leben müsste und in Frieden leben könnte.
Mein Wunsch wäre, dass ich eine Ausbildung als Arzthelferin oder Erzieherin machen dürfte und später mal selbstständig bin“.

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Textbeispiel / Musterfax

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen habe ich über die angedrohte Abschiebung der Familie Kurt in die Türkei erfahren. Ich musste stets an die Zukunftsperspektiven der Kinder denken. Diese sind außer Bassima, die seit ihrem dritten Lebensjahr in Deutschland lebt, alle in Deutschland geboren und hier aufgewachsen und müßten im Falle einer Abschiebung in eine für sie völlig unbekannte Umgebung. Sie müssen eine neue Sprache erlernen und sich vollständig neu orientieren. Welchen Rückschlag dieses Einschnitt für diese Jugendlichen bedeutet, muss ich Ihnen nicht erzählen. Diese Kinder haben seit Jahren unter psychischem Druck gelitten, weil sie die Angst der Familie vor einer Abschiebung permanent spüren. Sie erzählen, dass sie nachts nicht schlafen können und in der Schule abwesend sind, weil sie ihre Angst vor der Zukunft und einer Abschiebung nicht loswerden.

Was mich aber besonders überraschte, war die Tatsache, dass das neue Zuwanderungsgesetz diesen Menschen anscheinend keinen dauerhaften Aufenthalt verspricht. Bisher ging ich immer davon aus, dass Menschen, die seit langem in der Bundesrepublik Deutschland leben und ihren Lebensschwerpunkt in unserer Gesellschaft haben, durch das neue Zuwanderungsgesetz endlich ein Bleiberecht erhalten würden. Doch nun muss ich feststellen, dass die Praxis anders aussieht.

Ich bitte Sie darum, die Situation der Familie Kurt zu überprüfen und eine humanere Lösung in Betracht zu ziehen. Die Familie war gewillt sich hier zu integrieren, die Kinder haben alle die Schule besucht, sprechen alle die hiesige Sprache. Bassima, die gerade 18 Jahre alt geworden ist, tritt ab dem 1. Oktober ihre Ausbildung an. Herr Kurt hat, soweit ihm die Arbeitserlaubnis erteilt wurde, gearbeitet. Was unterscheidet sie von einer deutschen Familie? Müssen die Kinder für die Unruhen in Libanon und den Konflikten zwischen dem türkischen Staat und der Kurden büßen? Herr Kurt hat damals als kleines Kind selbst das Leid des Krieges und der Unruhen erlebt und deswegen ist er von Libanon nach Syrien und Türkei geflohen. Dort fand er sich im Bürgerkrieg zwischen den Kurden und dem türkischen Staat wieder.

Ich bitte Sie nochmals, die Angelegenheit nochmals zu diskutieren und eine unbefristete Bleiberechtlösung zu finden. Es kann nicht sein, dass unsere Gesetze Menschen in die Perspektivlosigkeit stoßen und den Kindern ihre Zukunft rauben. Weiterhin bitte ich Sie, die Situation der Staatenlosen im Allgemeinen zu thematisieren und zu schauen, ob man nicht auf Landesebene zu einer Bleiberechtreglung für die vielen betroffenen Jugendlichen kommen kann.

Mit freundlichen Grüßen

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