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International gegen den "weissen Tod"

Konferenz gegen das Verschwindenlassen in Kurdistan
Pressemitteilung

Seit dem 16. Mai 2006 findet die fünfte "Konferenz gegen das Verschwindenlassen weltweit" in Amed (Diyarbakir)/ Norddkurdistan statt. An der von ICAD Internationales Komittee gegen das Verschwindenlassen und YAKAY-DER (Verein von Familienangehörige von Verschwundengelassenen und deren Unterstützung) organisierten Konferenz nahmen 275 Delegierte aus über 20 Ländern teil. Die Polizei hatte den Veranstaltern massive Auflagen gemacht. Darunter auch ein Verbot der Benutzung der Wörter "Kurdistan" und "Guerilla" sowie die Bezeichnung von Staatsorganen als "Mörder".

Das Verbot wurde von vielen der kurdischen RednerInnen und Rednern bewusst übertreten. Ansprachen wurden mit "Lange lebe Kurdistan" oder der Forderung nach der Bestrafung der Verantwortlichen Mördern im türkischen Staatsapparat beendet.

Weiterhin verboten die Behörden ein geplantes Kulturfest zum Abschluss der Konferenz sowie den geplanten Besuch zweier Massengräber in der Südosttürkei. Als Begründung für das Verbot des Festes hieß es, es "müsse dabei mit der Teilnahme von Volksmassen gerechnet werden." Dies sei "zu gefährlich". Während der Konferenz gab es umfangreiche Manöver der türkischen Luftwaffe, in der gesamten Stadt zeigte das Militär starke Präsenz.

Das Stattfinden der Konferenz war bis zuletzt fraglich - vor allem aufgrund der Auseinandersetzungen in Diyarbakir Ende März. Bei diesen waren 14 Menschen, darunter drei Kinder im Alter von 3, 7 und 10 Jahren von türkischen Sicherheitskräften getötet wurden. Hunderte von Menschen befinden sich seit dem in Haft, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche.

Im Vorfeld der Konferenz wurden flächendeckend Plakate in der Stadt angebracht und Flugblätter in kurdisch und türkisch verteilt. Hierbei von der Polizei bedrohte Aktivisten wurden von der Bevölkerung Ameds in Schutz genommen.

"Die, die verschwinden lassen, werden verlieren!"

An Nachmittag des 16. Mai beteiligten sich dreißig internationale Delegierte an der Verteilung von Flugblättern in der Innenstadt vom Amed. Die Aktion wurde von Provokationen und Kontrollen von Zivilpolizisten begleitet. Am Morgen des 17. fand am "Mahnmal für die Menschenrechte" ein Mahnwache statt. Etwa 50 Angehörige von Verschwundenen und viele weitere Menschen gedachten der in Haft verschwundenen und Verschleppten aus aller Welt. Am Nachmittag wurde am Stadtrand Ameds mit einer Baumpflanzaktion "Wald für die Verschwundenen" errichtet.

"Die Wut der Mütter wird die Mörder ersticken!"

Am Donnerstag sprachen 62 Angehörige von Verschwundenen zu den Delegierten und berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen. Themen der Ansprachen waren neben den systematischen Vertreibungen in Kurdistan, der Krieg in der Region sowie die Weigerung des Staates, entdeckte Massengräber exhumieren und untersuchen zu lassen. Das dadurch viele Verschwundene keine Grabstätte haben, wurde von vielen Rednern als besonders grausam bezeichnet. RednerInnen forderten die Herausgabe der Überreste der Leichname.

VertreterInnen der "Friedensmütter" forderten Freiheitsrechte und traten für Geschwisterlichkeit zwischen dem kurdischen und türkischen Volk ein. Sie reklamierten die Anerkennung der kurdischen Identität.

Nachdem die Polizei eine Übersetzerin festnahm und die Personalien mehrerer RednerInnen aufnahm, eskalierte die Situation. Die Delegierten forderten die Polizei auf, das Kongresszentrum zu verlassen. Darauf ließ die Polizei den Saal räumen und kündigte ein Verbot des Fortgangs der Konferenz an. Dies wurde am Abend zurückgezogen. Bei einer Rangelei während der Räumung des Zentrums drohte ein Zivilpolizist einem kurdischen Jugendlichen, ihm "heute Abend in den Kopf zu schießen", falls er nicht "den Mund halte". Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen eine deutsche Rechtsanwältin wegen "Missachtung der Polizei" auf.

Delegierte der
Karawane für die Rechte von Flüchtlingen und Migrantİnnen
Plataforma Berlin
AGIF Föderation der Arbeitsmigrantİnnen aus der Türkei in Deutschland
Aveg-Kon Die Konföderation der unterdrückten ArbeıtsmigrantInnen in Europa

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