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Zu unserem Freund und Mitglied unserer Theatergruppe Herrn Engin Celik

Hamburg, 16. Januar 2007

Zu unserem Freund und Mitglied unserer Theatergruppe Herrn Engin Celik

Sehr geehrte Damen und Herren,

Herr Engin Celik ist einer der Mitbegründer und eine treibende Kraft unserer Theatergruppe, Düşler Sahnesi, „Bühne der Träume.“ Wir sind eine Theatergruppe die sich verpflichtet fühlt, Unrecht ans Licht zu bringen und für Geschisterlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit zu streiten. In unseren Vorführungen thematisieren wir die Unterdrückung der kurdischen Minderheit in der Türkei, demaskieren den türkischen Staat und verurteilen seine menschenrechtsverletzende, chauvinistische und militaristische Politik.

Unsere Gruppe wurde am 1. Mai 2005 gegründet und spielt auf interkulturellen und antifaschistischen Veranstaltungen. Das letzte Stück mit dem Titel „Drej Hasan“ wurde in Hamburg fünfmal aufgeführt und wurde von mehr als 1000 ZuschauerInnen besucht. In mehreren türkischen Zeitungen wurde über unsere Auftritte berichtet. Ein Artikel der Tageszeitung „Ozgür Politika“ vom 21. Juni 2006 ist unserem Schreiben beigefügt. Die letzte Vorführung dieses Stückes war am 18. Mai 2006.

Herr Celik hat oft die Rolle des Sprecher für die Gruppe übernommen. Immer hat er eine scharfe und anklagende Haltung gegen die Repressionen und die Menschenrechtsverletzungen des türkischen Staates eingenommen und die Verurteilung dieser Staatspolitik gefordert. Er stellte Kontakte mit anderen antifaschistischen Gruppen her und organisierte die Auftritte bei Veranstaltungen und auf Demonstrationen. Egal um welches Thema es ging, immer hat Herr Celik die kritische Haltung der Gruppe zu den Verbrechen des türkischen Staates zum Ausdruck gebracht und zu Solidarität mit den politisch Verfolgten, den inhaftierten JournalistInnen, KünstlerInnen, GerkwerkschafterInnen, StudentInnen und Kriegsdienstverweigern aufgerufen.

Wie berechtigt und notwendig die Öffentlichkeitsarbeit unserer Theatergruppe und wie richtig unsere Einschätzung des türkischen Staates ist hat sich erneut im Herbst 2006 bewiesen.
Die jüngste Repressionswelle der türkischen Sicherheitskräfte zielt auf die legalen demokratischen Aktivitäten regimekritischer Organisationen und einzelner Personen.
In den Verhaftungswellen wurden bisher über 150 MenschenrechtsaktivistInnen, JournalistInnen, GewerkschafterInnen, FrauenrechtlerInnen und andere regimekritische Menschen festgenommen. Menschen werden ohne Angabe von Gründen in Haft gehalten. Menschen werden erniedrigt, geschlagen und gefoltert. Mit chauvinistischer Propaganda rufen staatliche Medien nationalistische eingestellte Gruppierungen zu Angriffen auf Kurdinnen und Kurden und auf demokratische und sozialistische Kräfte.
Unsere Theatergruppe protestiert gegen die Angriffe auf die demokratische Bewegung in der Türkei und fordert zu internationalen Reaktionen auf.

Wie gefährlich sich unsere Arbeit im Exil in Deutschland erweist, muß unser Mitglied und unser Freund Herr Celik erfahren. Seine hoffnungsvolle, nach Gerechtigkeit strebende und schöpferische Werte gebende Arbeit soll sich gegen ihn wenden. Positiv wird in negativ verkehrt.

Wir fürchten um die Sicherheit und Unversehrtheit unseres Mitglieds und Freund Engin Celik.

Wir fordern seine Freilassung aus der JVA Gießen und endlich die Anerkennung seines Rechts auf Asyl.

Mit freundlichen Grüßen

Abdulvahap Medik
Düsler Sahnesı

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