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Malta: nun sprechen die Somalier

By azadi, 24 July, 2010

Fortresseurope.blogspot.com -- Gabriele del Grande

Malta: nun sprechen die Somalier
Ein Ehemann: Meine Frau wurde nach Libyen gebracht

Mailand -- Nur kommen die mehr als beunruhigenden Details über die Zurückweisung nach Libyen am letzten Samstag ans Tageslicht. Eine libysche Einheit, unter ihnen italienische Besatzungsmitglieder, hatte diese auf Nachfrage der Malteser durchgeführt. Bisher wussten wir von 55 Somaliern, die in einem Schlauchboot 44 Meilen vor Malta aufgebracht worden waren. Unter ihnen befanden sich 5 Frauen, 3 von ihnen schwanger, und ein Kind. 27 Wurden nach Libyen zurückgeschoben. Heute wissen wir mehr. Nun können wir mit Gewissheit sagen, dass Familien auseinander gerissen wurden. Mindestens ein Mann, der sich im maltesischen Haftzentrum Safi befindet, hat seine im 7. Monat schwangere Frau auf dem
libyschen Schiff lassen müssen. Nun wird er sie für Jahre nicht wiedersehen, wer weiß, was mit ihr in den Händen der libyschen Polizei geschehen wird.

Und es handelte sich nicht um ein Versehen. Der Mann sagte gegenüber der Times of Malta: "Ich habe den maltesischen Soldaten erklärt, dass sich meine Frau auf dem libyschen Boot befindet, sie haben insistiert, dass auch ich auf das libysche Boot gehe und sie identifiziere. Ich habe das verweigert, denn ich wusste, wenn ich das mache, hätten sie uns beide nach Libyen abgeschoben."

Inzwischen hat der Sprecher des maltesischen Innenministeriums unterstrichen, dass die nationalen Behörden keine Untersuchung einleiten werden. Denn in der offiziellen Version heißt es: "in den drei Fällen, in denen die Soldaten auf der maltesischen Einheit informiert wurden, dass sich Ehefrauen auf dem anderen Schiff befinden wurden diese zu ihren Ehemännern auf dem Boot der maltesischen Marine gebracht." Auch der maltesische Jesuitenflüchtlingsdienst äußerste massive Bedenken, dass die 27 Zurückgesandten sich in Libyen an einem sicheren Ort befinden und ein Recht auf Asyl erhalten werden. Der JRS bezweifelte, dass die 27 "freiwillig" nach Libyen zurück gekehrt seien, so wie es die maltesischen Behörden schilderten.

Bis heute verweigern die maltesischen Behörden, sich über die Kriterien zu äußern, nach denen die 28 nach Malta zu Bringenden und die 27 nach Libyen Zurückzuschickenden ausgesucht wurden, mal davon ausgehend, dass es überhaupt ein Kriterium der Wahl gab. Die Somalis, die nach Malta gebracht wurden und sich nun in Safi befinden meinen, man habe die Schwächsten an Bord der Malteser genommen und dann insistiert, die anderen auf das libysche Schiff umsteigen zu lassen. Sie bestätigten, dass man ihnen anfangs Glauben machen wollte, das libysche Schiff fahre nach Italien, da sich an Bord italienisches Personal befand.

"Aber am einem bestimmten Punkt", erklärten sie der Times of Malta, "ist einem unserer Freunde aufgefallen, dass auf dem anderen Schiff auch Libyer waren und er hat angefangen zu schreien. Da haben sie begonnen, sie zu misshandeln und eine Gruppe von uns, die sich noch auf dem Schlauchboot befand, hat sich geweigert, dort an Bord zu gehen. Wir haben insistiert, an Bord des maltesischen Schiffes zu gehen, aber sie haben uns gedroht uns hier auf dem Meer zu lassen, wenn wir nicht auf das libysche Schiff gehen würden. Wir haben gesagt, besser auf See zu sterben als nach Libyen zurück zu kehren, denn das ist die Hölle." Aber schließlich sind sie doch an Bord gegangen. 27 Menschen, unter ihnen 9 Frauen, einige schwanger. Von ihnen haben wir bis jetzt nichts mehr gehört.

Aus dem Italienischen von Judith Gleitze, borderline-europe
http://fortresseurope.blogspot.com

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