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Pressemitteilung der Flüchtlingsinitiative Biberach

Pressemitteilung von Flüchtlingsinitiative Biberach zum Treffen mit der Behörde am 6. 9. 2010

Landkreisverwaltung Biberach/Riss lädt Flüchtlinge der Bleicherstraße zu weiterem Treffen ein

Die Landkreisverwaltung des Kreises Biberach/Riss hat die Flüchtlinge der Unterkunft in der Bleicherstraße 47 zu einem neuen Treffen eingeladen. Die Landkreisbeamten haben die Bitte um eine offene Begegnung als unsere Bedingung akzeptiert. In dieser Sache rufen wir alle interessierten Personen dazu auf, an der Diskussion teilzunehmen, da wir auf eine positive Antwort hoffen, denn anderenfalls werden wir nicht zögern, entsprechend zu reagieren.

Das nächste Treffen mit der Behörde soll am 6. 9. 2010 an folgender Adresse stattfinden.

CJD Seminar Room, Erdgeschoss

Bleicherstr 47, Biberach/Riss

Die Landkreisverwaltung des Landkreises Biberach/Riss hat in den vergangenen Wochen auf die fortdauernden Beschwerden der Flüchtlinge in Biberach/Riss reagiert. Es muss festgestellt werden, dass diese Entwicklung durch die Einmischung der Presse veranlasst wurde, ansonsten wären unsere Beschwerden einfach nicht berücksichtigt worden unter dem Vorwand, dass unser Brief keine direkte Kontaktperson benennen würde.

Auf Empfehlung der Journalistin der Jungen Welt Frankfurt hat die Landkreisverwaltung nun jedem Flüchtling, der in der Bleicherstraße 47 wohnt, schriftlich geantwortet.

Schon vorher hatte die Landkreisbehörde die Flüchtlinge für den 26. 08. 2010 in den Konferenzraum des Landratsamts zu einem Treffen eingeladen. Die Flüchtlinge hatten diese Einladung unter anderem deshalb abgelehnt, weil der Brief die Agenda des Treffens nicht klar definierte.

Auch wenn die Aktion bisher so betrachtet werden kann, dass wir eine unerwartete Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden erhalten, können wir nicht leugnen, dass von den Behörden lediglich ein Kompromiss zu erwarten sein wird, den wir strikt ablehnen werden.

Einen Kompromiss zu akzeptieren würde für uns lediglich bedeuten, dass wir akzeptierten, eher Sklaven als Flüchtlinge zu sein. Genau so sehen wir uns mit all dieser Politik der Isolation und Ausgrenzung.

Die Chefin der Sozialabteilung, Frau Alger und der für das Heim verantwortliche Beamte, Herr Grassel, antworteten jenseits unserer Erwartungen, als sie die Essensausgabe in der Asylunterkunft in der Bleicherstraße früh morgens um 7 Uhr beobachteten.

Die Beamten sahen die Atmosphäre, in der die Pakete abgeholt wurden, unsere routinemäßigen Schlange, Abnormalitäten wurden identifiziert, obwohl einige von uns annahmen, was sie bekamen, weil sie es müde waren, sich immer über dieselbe Sache beschweren zu müssen oder weil sie immer noch halb schliefen zu dieser frühen Stunde.

Wir zweifeln nicht daran, dass die beliefernde Firma (Dreikönig) darüber informiert war, dass Frau Alger an diesem Tag anwesend sein würde, aber Unregelmäßigkeiten ließen sich dennoch nicht vermeiden – trotz der Vorbereitungen, die wohl durchgeführt wurden, um bestimmte Mängel zu verbergen. Der einzige Unterschied an diesem Tag war, dass sich der Fahrer des Lastwagens, der das Essen verteilte, darum bemühte, freundlich zu erscheinen, was ungewöhnlich war.

An diesem Stand der Entwicklungen wurde ein zweites Einladungsschreiben an jeden von uns in der Bleicherstraße geschickt.

Wir sind außerdem nicht sehr optimistisch dahingehend, dass aus dem weiteren Treffen eine positive Reaktion hervorgehen könnte, da auch die Journalistin der Jungen Welt aus Frankfurt während des Interviews mit dem verantwortlichen Beamten bestätigte, dass wie üblich Verantwortlichkeiten abgeschoben würden.

Unsere Absicht, diese Angelegenheit diplomatisch zu regeln, schließt die Möglichkeit anders zu reagieren, wenn es nötig sein sollte, nicht aus.

Wir stehen gegen jede Art der Diskriminierung.

Nach wie vor verlangen wir:

Abschaffung der Essenspakete!

Abschaffung des Kleidungsbeschaffungssystems!

Abschaffung der Bewegungsbeschränkung!

Fluchtlingsinnitiative Biberach
fluechtlingsbc@web.de
Flüchtlingsinitiative Biberach