You are here

Am schmerzvollsten ist die Migrantin

Am schmerzvollsten ist die Migrantin
artikel bei indymedia

Migration ist so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst. Menschen mussten schon immer auf Grund von Knappheit, Krieg, Armut und ähnlichem, ihre Heimat verlassen. Mit dem aufkommen des Kapitalismus, wurden Arbeit und Nahrung zum Hauptgrund für Migration. Die Hälfte der Migranten weltweit sind Frauen und ihr Anteil steigt weiter an.

Nach dem zweiten Weltkrieg sind viele Menschen dem Ruf der europäischen Länder gefolgt, beim Aufbau mitzuhelfen. Daraufhin stieg die Zahl der weiblichen Migranten signifikant an. Obwohl die Beschäftigungsmöglichkeiten der Frauen verhältnismäßig geringer war, als die der Männer, wurde die Arbeitskraft der Frau besonders ab den 80er Jahren vielseitig eingesetzt.

Dies hat mehrere Gründe: Zum einen wurden Frauen im Vergleich zu Männern zu wesentlich geringeren Löhnen beschäftigt und zum anderen, weil in den entwickelten kapitalistischen Ländern der Anteil der Frauen in der Bevölkerung sank und Frauen nicht mehr einseitig beschäftigt werden wollten. Migrantinnen wurden meistens im Dienstleistungssektor beschäftigt, doch mit der technischen Entwicklung ging auch eine neue Rolle der Frau, in Bezug auf die Produktion, einher.

Die Zahl der Migrantinnen weltweit

Die Zahl der Migrantinnen wird weltweit auf 95 Millionen beziffert, das macht ungefähr die Hälfte aller Migranten aus. Die Zahl der Migrantinnen ist in Europa am höchsten, gefolgt von den USA und Kanada, Lateinamerika, Afrika und Ozeanien. Die aus der kapitalistischen Sicht als billige Arbeitskraft betrachtete Frau, lässt ihre Rolle in der Produktion mit diesen Zahlen in einem neuen Licht betrachten.

Innerhalb der letzten 30 Jahre gab es einen signifikanten Anstieg von Migrantinnen. Die stärksten Migrationen sind aus Ländern wie den Philippinen, Thailand, Singapur, Brasilien, Ukraine, Moldawien, Bulgarien, Rumänien und Polen zu beobachten. Diese Frauen sind meistens im Dienstleistungssektor beschäftigt und werden auch verstärkt prostituiert.

Besonders im Kindesalter, werden sie all ihrer Rechte beraubt und stehen sich einem unmenschlichem Ausbeutungssystem gegenüber. Zu ihrem Arbeitsalltag gehören Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigungen. Viele junge Mädchen werden von ihren Familien organisierten Kriminellen (Mafia) „vermietet“ oder verkauft und werden wie Sklaven gehalten und zum Teil zum Sex gezwungen.

In den letzten Jahren werden Frauen verstärkt in die Philippinen, nach Indonesien, Taiwan, Japan, Süd-Korea, Kanada, Saudi-Arabien, Kuwait, in die vereinigten arabischen Emirate oder USA geschickt und in verschiedenen Sektoren beschäftigt. Im Jahre 2005 sind täglich über 3000 Frauen aus den Philippinen in die Nachbarländer gegangen, um zu Arbeiten. 79% der Migranten, die im Jahre 2003 aus Indonesien zum Arbeiten ausgewandert sind, waren Frauen. Die Zahl der Frauen, die in den 90ern aus Asien in den Nahen Osten gewandert sind, um dort im Haushalt zu arbeiten, betrug ~800 000 und stieg im Jahre 2003 auf mehr als eine Million an.

Migrantinnen arbeiten zu meist unter schweren Arbeitsbedingungen und im Schnitt für 3-5$ täglich. Da Missbrauch und Vergewaltigungen fast zum Alltag der Frauen gehört, die ausgewandert sind um im Haushalt zu arbeiten, werden diese als moderne Sklaven bezeichnet.

Frauen und junge Mädchen arbeiten zum größten Teil in zwei Bereichen. Nach den Zahlen der Internationalen Arbeiter Organisation (ILO), arbeiten 72% der Migrantinnen unter physischer Gewalt und unter extremer Ausbeutung. 90% der Frauen, die im Sex-Sektor arbeiten, sind täglich Opfer von Gewalt und Vergewaltigungen. So sind Beispielsweise Mädchen, die aus Moldawien oder der Ukraine in die Türkei gewandert sind, meist zwischen 18 und 24 Jahre alt. Diese werden von organisierten Kriminellen (Mafia) „vermarktet“ und sind neben Opfer von Vergewaltigungen meistens auch Opfer von Mord.

70 000 Frauen aus Brasilien verkaufen ihren Körper in Südamerika, Japan und Spanien. Dieser „Verkauf“ wird von international agierenden kriminellen Organisationen getätigt. Die Frauen werden oft in jungem Alter für einige Jahre von ihren Familien „vermietet“.

Nachforschungen zu Folge, liegt der prozentuale Anteil von weiblichen Migranten aus den Philippinen in Japan bei 58%, in Hongkong bei 97% und in Singapur bei 88%. Hervorzuheben ist, dass 80% der weiblichen philippinischen Migranten in Hongkong und Singapur im Sex-Sektor arbeiten.

Die ILO führt auch an, dass jährlich über 200 000 Frauen und Mädchen in Indien zu Hausarbeiten und Beschäftigungen in Stadtzentren gezwungen werden. 25% der Mädchen sind unter 8 Jahre alt und können weder lesen, noch schreiben. 80% der jungen Mädchen aus Nepal sind Opfer internationalen Frauenhandels.

Ungefähr die Hälfte der 2,2 Millionen Frauen, die in die kapitalistischen Länder migriert sind, sind Philippinerinnen. Während dort der Durchschnittslohn für Frauen aus den Philippinen, Japan, Singapur, Hongkong und in Malaysia bei ca. 300$ liegt, verdienen die einheimischen Frauen bis zu 1500$. Zusammenfassend ist erkennbar, dass die Frauen meistens bei Hausarbeiten und anderen Dienstleistungen beschäftigt werden und ein großer Teil im Sex-Sektor.

Türkische und Kurdische Frauen in Europa

Zwischen 1950 und 1973 machte der Anteil der männlichen türkisch- und kurdisch-stämmigen Migranten 85% aus. Mitte der 60er Jahre deutete sich in den europäischen Ländern eine ökonomische Krise an und die Migration wurde zwar eingeschränkt, doch die zuvor eingewanderten männlichen Migranten holten ihre Familien nach und legten die Grundlagen für eine dauerhafte Niederlassung in den jeweiligen Ländern.

Frauen aus der Türkei, die meistens aus ländlichen Gebieten kamen, fühlten sich Anfangs einer komplett fremden Kultur ausgesetzt und isolierten sich, zum Selbstschutz, aus der Gesellschaft. Doch auch jene, die sich aus dieser Isolation befreiten, waren die Frauen selbst. In Europa und besonders in Deutschland, haben diese Frauen den Aufstieg innerhalb der Produktion, bis in Führungspositionen geschafft. Mehr als die Hälfte der Migranten aus der Türkei lebt in Deutschland und die türkischen Migrantinnen in Deutschland, mit einem Anteil von 55,4%, repräsentieren diese Gruppe.

Frau und Krieg

Mit dem aufkommen professioneller, international organisierter Streitkräfte wie der NATO, hat Gewalt gegen Geschlechter eine neue Bedeutung gewonnen. Die Besetzung der Böden ging einher mit der „Besetzung“ der Frauenkörper. Massaker und Massenvergewaltigungen wurden zeitgleich begannen.

Um den Widerstand eines Volkes zu brechen, um sie zu beugen und ihren Willen gefügig zu machen, wurden Töchter und Frauen in Massen vergewaltigt.

In vielen Ländern der Welt wurden ähnliche Strategien entwickelt und sogar institutionalisiert. Gewalt gegen Frauen wird sogar in Einrichtungen des Militärs fortgesetzt: Für die Motivation der Truppen und für den „Stressabbau“ ist der Körper der Frau ein gern genutztes Mittel. 10 Millionen Dollar erwirtschaften die Streitkräfte der USA durch den Verkauf von Pornoartikeln in Militärkantinen. Das über 30% der Frauen, beim Militär sind, Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigungen sind, kommt erst ans Tageslicht, wenn diese in den Ruhestand gehen.

Somalia

Zwischen 1991 und 1992, als auf Grund der Nahrungsknappheit 300 000 Menschen nach Kenia geflüchtet sind, wurden viele Frauen in Flüchtlingskamps vergewaltigt. Darunter seien sogar 4 Jährige Mädchen gewesen sein.

Ruanda

Zwischen 1994 und 1995 wurden 15 000 Frauen aus Ruanda, im Alter von 13 – 65, vergewaltigt und als „Kriegsbeute“ entführt.

Kongo

700 000 Frauen und junge Mädchen, sogar Babys, wurden im seit 14 Jahren führenden Bürgerkrieg vergewaltigt. Dies wird sogar von der UNO bestätigt.

Bosnien – Kosovo

Nachdem die NATO einen ethnischen Bürgerkrieg verursachte, erklärte sie 1999 der Demokratischen Föderation Jugoslawien den Krieg und besetzte nach der Zerschlagung erst Bosnien, anschließend das Kosovo und Makedonien. Über 20 000 Frauen wurden im vier Jahre anhaltenden Krieg in Bosnien vergewaltigt.

Die NATO Soldaten haben den weltweiten Frauenhandel und die Prostitution gefördert, sogar zum Teil daraus gewinne geschlagen. Aus Ost-Europa wurden zum Kosovo, wo noch immer 25 000 NATO Soldaten stationiert sind, Mädchen, die noch zum Teil 11 Jahre alt waren, gebracht und als Sex-Sklaven verkauft. Internationale Menschenrechts Organisationen bestätigen, dass Mädchen aus Moldawien, der Ukraine und Bulgarien Mädchen entführt und den UN-Truppen und NATO Soldaten verkauft wurden.

Doch nicht nur in den letzten 50 Jahren, sondern zu jeder Epoche der Menschheitsgeschichte war es schwer, eine Frau zu sein und es sind nicht nur Kontinente wie Asien und Afrika, in denen die Rückständigkeit das Leben der Frauen prägt und erschwert, sondern auch in imperialistischen-kapitalistischen Ländern gehört dies zum Alltag der Frau.

Egal ob Hausfrau oder Arbeiterin, ob 15 oder 50 Jahre alt, ob in einem Dorf oder inmitten der Großstadt: Die Frau ist der Sklave unter den Sklaven.

Hunger und Arbeitslosigkeit werden immer sie als erste Treffen, genau wie Gewalt und Vergewaltigungen. Aber egal wo auch immer auf der Welt, den größten Schmerz und die Einsamkeit muss die Migrantin erfahren.

Entnommen aus dem Magazin Revolutionäres Proletariat ( http://devrimciproletarya.org/)