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Abschied von Shambu Lama

Abschied von Shambu Lama

Shambu Lama

Wir kamen etwa 14.50 Uhr am Krematorium in Hasede an, außer uns nahmen etwa 8 seiner Landsleute, 3 Mitarbeiter vom NDR und ein Mitarbeiter der taz in Bremen an der Zeremonie teil.
Der NDR holte sich zunächst eine Drehgenehmigung und fragte auch alle Anwesenden, ob es okay sei, wenn sie einen Teil des Abschieds begleiten würden. Alle gaben ihrinverständnis. Die Räumlichkeiten waren angemessen feierlich-nüchtern eingerichtet. Ich fand den strahlenden Sonnenschein etwas unpassend, ich weiss nicht, ob ich vielleicht erwartet hätte, dass der Himmel weint...
Vorab fanden einige Gespräche zwischen den Anwesenden statt. So erfuhr ich, dass einer der Anwesenden über 3 Ecken mit Shambu Lama verwandt war und dass von Seiten seiner Verwandtschaft in Nepal (er hatte dort frau und 2 kinder) durchaus der Wunsch nach Kontakt mit seinem Sohn hier besteht, was ich als sehr schön empfand, schließlich sind das die Halbgeschwister meines Sohnes Joshua.
Joshua stand als sein Nachkomme überwiegend im Mittelpunkt des Ganzen. Es wurden viele Fotos gemacht, hauptsächlich von ihm.
Dann ging es in den Raum, wo der Sarg stand. Als mir bewusst wurde, dass Shambu wirklich darin liegt, unwiederbringlich und endgültig, durchfuhr mich ein starker Trauerschmerz und ich musste sehr weinen, die Tränen liefen.ich weinte um ihn, um seinen Sohn, um die Zukunft, die er jetzt nicht haben wird, darum, dass er seinen Sohn nicht aufwachsen sehen wird, den er so geliebt hat. Nur die Anwesenheit weiterer Menschen im Raum hinderte mich daran, zu schluchzen, die
Trauer laut herauszuschreien, zu rufen "Warum?"...

Danach gab es eine kurze Pause, weitere Gespräche, weitere Fotos, Adressenaustausch.
Anschließend gingen wir in den Raum, in dem sich der Ofen befand.
Shambus ehemaliger Chef hatte einen Blumenstrauß besorgt, den ich mit Joshua zusammen auf den Sarg legen durfte. Dafür war ich unendlich dankbar, ich wusste vorher nicht, dass man das darf. Dann begann die Einäscherung.
Die Inhaber des Krematoriums haben alles wunderbar begleitet, uns ganz viel Zeit gelassen und waren sehr bekümmert und bemüht. Sie brachten uns dann Kaffee und Wasser in den Trauerraum.

Ich erfuhr dort noch einige Dinge, die mir nicht bekannt waren. Auch wurde über die Existenz seines Abschiedsbriefes gesprochen, aber niemand weiss Genaues. Auch seine Familie in Nepal wünscht sich dringend eine Aufklärung darüber, welche Umstände letztendlich zu seinem Tod führten. Ich bemühe mich, zeitnah an diesen Brief zu kommen, falls dieser wirklich existiert.
Es herrschte starke Betroffenheit, es standen Spekulationen im Raum und ein großes Fragezeichen schwebte über allen Köpfen. Ich gab dann noch die Dienstaufsichtsbeschwerde herum zur Einsichtnahme. Diese und viele Einzelheiten daraus waren niemandem bekannt.

Nach einer Stunde löste sich das Ganze auf. Erschöpft, aber
dankbar, dass ich Abschied nehmen durfte in einem passenden Rahmen,fuhren wir nach Hause.

Mir ist heute noch einmal bewusst geworden, für wie viele Menschen dieser viel zu frühe, offensichtlich unnötige Tod Konsequenzen hat, wie viele nach Antworten suchen und sich fragen, was genau am Todestag vorgefallen ist. Wann war er bei der Ausländerbehörde? Was wurde ihm dort genau mitgeteilt? Mit wem hat er gesprochen?

Ich werde nicht zur Ruhe kommen, bis ich sicher weiß, wer für den Tod die Verantwortung trägt. Ich kämpfe weiter darum, die Wahrheit zu erfahren! Das bin ich Shambu schuldig -und meinem und seinem Sohn Joshua.

Nadine Tannenberg 29.03.2011

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Nachtrag:
Dem Sprecher der Flüchtlinge aus Meinersen, Herr Nidal Al-Nagar, wurde am Montag, 28.03.2011 die Genehmigung zum Verlassen des Landkreises zur Teilnahme an der Trauerfeier in Hasede vom Leiter der Ausländerbehörde Kai Renders verweigert. Herr Al-Nagar rief die Kreisrätin Evelin Wissmann an und beschwerte sich. Diese sagte ihm, er werde schriftlich Antwort erhalten. Die Bestattung von Shambu Lama ist vorbei, eine Antwort über seine Anfrage den Landkreis zu verlassen, um an der Bestattung teilnehmen zu können, hat Herr Al-Nagar nicht erhalten.
raka 31.03.2011

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31. März 2011
DIE LINKE macht Suizids eines Flüchtlings aus Nepal zum Thema im Landtag – Trieb ihn die Ausländerbehörde in den Tod?
Hannover. DIE LINKE im Landtag wird die Umstände und Hintergründe des Suizids eines Flüchtlings aus Nepal zum Thema im Landtag machen. Der 40-jährige Mann war im Lager Meinersen bei Gifhorn untergebracht gewesen und hatte sich am 1. März vor einen Zug gestürzt. „Wir wollen wissen, welche Rolle die Ausländerbehörde in Gifhorn in diesem Fall gespielt hat“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Pia Zimmermann. Aus ihrer Sicht spricht vieles dafür, dass die Behörde den Mann in den Tod getrieben hat. So hatte sie die Bitte des Verwaltungsgerichtes Braunschweig abgelehnt, seine Abschiebung auszusetzen. Weil der Nepalese Vater eines in Deutschland geborenen Sohnes war, zu dem er regelmäßigen Kontakt pflegte, hätte er niemals abgeschoben werden dürfen.
„Das skandalöse Handeln der Ausländerbehörde in Gifhorn muss Konsequenzen nach sich ziehen“, forderte Zimmermann. Zudem verlangte sie eine unverzügliche Schließung des seit Jahren in der Kritik stehenden Flüchtlingslagers in Meinersen. Dort lebende Flüchtlinge klagen seit langem über schlechte Lebensbedingungen, soziale Isolation und Schikanen durch die zuständige Ausländerbehörde in Gifhorn. „Die Landesregierung darf diese unerträgliche Situation nicht länger nur schweigend zur Kenntnis nehmen“, so Pia Zimmermann

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Nicht ohne meinen Sohn - HAZ-Bericht zum Suizid von Shambu Lama nach der rechtswidrigen Abschiebungsdrohung des LK Gifhorn http://thevoiceforum.org/node/2060

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