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Gedenken an Shambu Lama

Gedenken an Shambu Lama
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Vor einem Jahr, am 1. März 2011, beendete er nach fünfzehn Jahren im deutschen Asylsystem sein Leben vor einen anrollenden Güterzug. Kurz zuvor hatte ihm die Ausländerbehörde Gifhorn die Abschiebung für den 3. März 2011 angekündigt.

Shambu Lama hatte die letzten Monate um die Anerkennung seiner Vaterschaft und die Erlaubnis von der Behörde zum Verlassen des Landkreises, um seinen einige Monate alten Sohn, Joshua, zu besuchen, gekämpft. Besessen vom „Menschen abschieben“ ignorierte die Gifhorner Ausländerbehörde sein Aufenthaltsrecht und arbeitete weiter an der endgültigen Trennung des Vaters von seinem Kind. http://thevoiceforum.org/node/2060
Nach seinem Tod mobilisierten Flüchtlinge und antirassistische Gruppen zu Protestaktionen. Nadine Tannenberg, Mutter von Joshua, und die Rechtsanwältin Öndül gingen an die Öffentlichkeit und legten Rechtsmittel ein. Das Innenministerium erteilt dem menschenverachtenden Verhalten der Behörde den Segen. Ein Jahr später schreibt dazu die Grünen-Landtagsabgeordnete, Filiz Polat,:

"Die zuständige Behörde hätte der Entscheidung des Gerichts folgen und die Vollstreckung von Lamas Abschiebung aussetzen müssen" http://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/cms/presse/dok/404/404739.gr...

Am Samstag versammelten sich 50-60 Menschen in der Gifhorner Innenstadt, um an Shambu Lama zu erinnern. Mit dem Lied „Marcus Omofuma“ - er wurde am 1. Mai 1999 bei der Abschiebung nach Nigeria von östereichischen Polizisten erstickt – begann die Kundgebung in Gedenken an alle Opfer des „europäischen Kriegs gegen Migration“. Neben dem Verteilen von Flugblättern und der Karawanezeitung wurden am Infotisch Unterschriften für Familie Ismailow gesammelt.
http://www.openpetition.de/petition/online/bleiberecht-fuer-die-familie-...

Flüchtlinge aus verschiedenen Landkreisen in Niedersachsen berichteten über die destruktiven und menschenunwürdigen Bedingungen und Behandlungen, denen sie ausgesetzt sind. „Schon nach einem Jahr im Lager, merkst du wie du langsam verrückt wirst“

Am 10. März findet in Hannover die nächste Konferenz der Flüchtlingsgemeinschaft Niedersachsen statt.

Kontakt: 0176-303 66 55 9
KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen – Hamburg
c/o Internationales Zentrum B5 Brigittenstr. 5 20359 Hamburg
Tel: +49-40-43 18 90 37 Fax: +49-40-43 18 90 38 @: free2move nadir.org www.thecaravan.org

Gedenken an Shambu Lama

Es folgen Redebeiträge auf der Kundgebung -1. vom antirassistischen Plenum Hannover und 2. von Nadine Tannenberg und ein Pressebericht:

1. Was können wir tun?

Wir trauern um Shambu Lama, der sich vor einem Jahr hier in Gifhorn das Leben nahm.
Ich kannte ihn nicht persönlich. Andere können besser darüber sprechen, wie Shambu Lama war, wie sie ihn kannten und was er in ihrem Leben bedeutete.
Was ich aber sagen kann, ist meine Trauer und meine Wut, die nicht verjähren.
Wut über den rassistischen Normalzustand in diesem Land, der Shambu Lama – wie viele andere vor ihm – so weit zerrieb und zermürbte, ihn so lange unter Druck setzte, in Unsicherheit ließ und auf eine kalte, pragmatische Art ihm jede Perspektive eines selbstbestimmten Lebens verwehrte, dass er eines Tages den Tod wählte.

Zu diesem Normalzustand gehört der in Gesetzen verankerte, bürokratische Rassismus der europäischen und deutschen Migrationsbehörden. Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen auf Ausländerbehörden werden mit der Macht ausgestattet, über Lebenschancen anderer Menschen zu entscheiden. Zusätzlich tun sich einige Sachbearbeiter durch jenen persönlichen, aktiven rassistischen Eifer hervor, wie er auch die Arbeit der Ausländerbehörde Gifhorn bestimmt. Darin können sie sich auf einen in der Gesellschaft verbreiteten Rassismus berufen, der ihr Handeln gutheißt und stützt.

So kündigte der zuständige Sachbearbeiter Shambu Lama eine unmittelbar bevorstehende Abschiebung an, bevor diese durch das Gericht überhaupt beschlossen war.
Das war wahrscheinlich der Auslöser für Shambu Lamas Suizid, der eigentliche Grund was es wohl nicht.

Eine Rolle bei seiner Entscheidung für den Tod hat sicherlich die systemmatische Verweigerung jeglicher Selbstbestimmung und jeglicher Perspektive auf ein besseres Leben gespielt. Auf ein Leben mit Menschen, die ihm nahe standen, mit selbstgewählten Tätigkeiten und der Möglichkeit, einmal tatsächlich anzukommen und sich selbst wieder als Mensch zu denken und nicht nur als Flüchtling, Getriebener, Rechtloser. Sich selbst wieder in der Zeit und in einer Umgebung zu verorten, um zu entscheiden, wohin die Suche nach dem guten Leben führen soll.

Diese Möglichkeit sollten alle Menschen haben, daran sollten wir Politik messen und unsere eigenen Anstrengungen, die Gesellschaft zu verändern. Die Freiheit zu entscheiden, wohin die Suche nach einem guten Leben führen soll, scheint mir die Grundlage für die gemeinsam zu erkämpfende Emanzipation.

Migration ist eine alltägliche, von vielen geteilte Lebensrealität: Menschen kommen, Menschen gehen, Menschen bleiben. Viele sind auf der Suche nach Arbeit, nach neuen Handlungs-möglichkeiten und Eindrücken, nach einem guten Leben. Einige sind auf der Flucht vor Bedrohungssituationen, vor sexualisierter Gewalt, vor allgemeiner Perspektivlosigkeit, vor Unfreiheiten in vielfältiger Form. Kein Staat kann Migrationsbewegungen tatsächlich unterbinden. Kein Staat kann Menschen, die entschlossen sind zu bleiben, in letzter Konsequenz zwingen, das Land zu verlassen. Shambu Lama verweigerte sich dieser letzten Zumutung und nahm sich das Leben. Wie schon in den Jahren zuvor Slawik C. und Arumugasamy Subramaniam, die in der Abschiebehaft in Hannover-Langenhagen im Suizid die einzige Möglichkeit sahen, sich einer Abschiebung zu entziehen. Auch in ihrem Gedenken müssen wir darum kämpfen, dass es für alle bessere Perspektiven gibt als den Suizid.

Rassismus tötet, in den Büros, in den Knästen, auf den Straßen. Kein Friede dem rassistischen Normalzustand!

2.

Gedenken an Shambu Lama

Liebe Flüchtlinge, liebe Unterstützer,

vielen Dank, dass ihr am heutigen Tag hier seid, um Shambu Lama, dem Vater meines Sohnes, zu gedenken.

Hier in Gifhorn, vor einem Jahr, beendete Shambu Lama sein Leben, weil die Ausländerbehörde ihn, ungeachtet all seiner Rechte, die er hier in Deutschland aufgrund seiner Vaterschaft erlangt hat, 2 Tage später abgeschoben hätte. Er lebte 15 Jahre hier, sprach die deutsche Sprache, hatte ein Arbeitsangebot und hatte ein deutsches Kind, zu dem er regelmäßigen, fürsorglichen Kontakt pflegte.

Es war grausame Willkür, ungerecht, und sein Tod hätte nicht sein müssen. Ich gebe nach wie vor der Gifhorner Ausländerbehörde die Schuld dafür, dass mein Sohn keinen leiblichen Vater mehr hat, und es macht mich wütend und traurig.

Für meine ganze Familie war das letzte Jahr sehr aufreibend. Ich bin mehrfach an die Öffentlichkeit gegangen in der Hoffnung, eine Erklärung für das Verhalten der Ausländerbehörde zu finden. Bis heute habe ich keine bekommen, im Gegenteil, Herr Schünemann, der Innenminister, gab mir die Schuld an der Entscheidung der Behörde, Shambu Lama abzuschieben, da ich angeblich niemals deutlich gemacht hätte, dass ich ein Interesse daran haben würde, dass mein Sohn Kontakt zu seinem Vater hat. Ich hoffe sehr, dass Herr Schünemann und die Behörde ein schlechtes Gewissen angesichts dieser Lüge haben, denn sie alle wissen, dass mehrere Telefonate stattfanden und dass ich auch schriftlich mehr als deutlich gemacht habe, wie wichtig es mir ist, dass mein Sohn Joshua seinen Vater kennt und Kontakt zu ihm hat.

Ich frage mich, ob diesen Menschen das Ausmaß Ihrer Willkür bekannt ist. Ich frage mich, ob sie erahnen können, wie viele Nächte ich wach lag und weinte-um den Verlust des Vaters meines Sohnes. Ich frage mich immer wieder, warum sie nicht die Verantwortung für ihre Fehlentscheidung übernehmen wollen. Ich frage mich, warum mein Sohn für ihr falsches Verhalten sein Leben lang leiden muss-weil er seinen Vater, seine Wurzeln, seine Herkunft, niemals kennenlernen wird. Es gab keine Entschuldigung seitens der Behörde oder des Ministeriums. Wir ernteten stattdessen Lügen, Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen. Ich hörte nicht ein einziges Mal die Worte: Es tut uns leid, da ist uns ein Fehler unterlaufen.

Mittlerweile weiss ich, warum. Ich weiss, dass in diesem System ständig solche Fehler passieren, weil die Abschiebequote doch erfüllt sein muss. Ich habe im Laufe des letzten Jahres verstanden, dass bei Asylberwerbern nicht der Mensch oder das Schicksal des Einzelnen zählt, sondern nur, sie aus Deutschland schnell wieder herauszubekommen. Ich habe begriffen, dass denen, die über das Schicksal der Menschen entscheiden, deren Schicksal und das Schicksal der Angehörigen völlig egal ist. Hauptsache raus. Hauptsache abschieben. Hauptsache wieder eine Akte weniger auf dem Schreibtisch. Egal, ob im Heimatland gehungert oder gestorben wird. Egal, ob man dort verfolgt oder gefoltert wird.

Ich bin heute dankbar, dass ich hier stehen darf und möchte diese Möglichkeit nutzen, Euch Asylbewerber zu bitten, weiterhin aktiv zu sein und für mehr Rechte zu kämpfen. Auch wenn die Politik es Euch schwer macht, bitte ich Euch, Euch umzuschauen. Wir alle, die hier sind, sind dies nicht nur wegen Shambu Lama, sondern wir stehen hier, damit Ihr seht, Ihr seid uns nicht egal. Ihr habt das Recht, hier zu sein, und es lohnt sich, dafür auf die Straße zu gehen und auf Euer Schicksal aufmerksam zu machen. Die meisten Deutschen wissen nicht, welch grausame Dinge in der Asylpolitik geschehen, und werden dies nur erfahren, wenn Ihr Euch stark macht und Eure Schicksale der Öffentlichkeit zeigt. Und nur, wenn immer mehr Menschen davon erfahren, kann und wird sich die Politik damit auseinandersetzen müssen und kann nicht weitermachen wie bisher.
Ich möchte meinen Respekt für Euch aussprechen, dafür, dass Ihr heute hier seid und ich möchte Euch mein Mitgefühl aussprechen für all die Qualen, die Ihr hier auf Euch nehmen musstet und immer noch müsst, Eurer Rechte beraubt, genötigt, Euch vor den Mitarbeiten der Behörde klein zu machen und von diesen unter Druck gesetzt und erniedrigt zu werden. Es tut mir unendlich leid, wie hier mit Euch umgegangen wird, und immer wieder kann man am Rande mitbekommen, dass sich wieder jemand das Leben genommen hat, weil er den Druck und die Entwürdigung nicht aushalten konnte.

Ich würde mir wünschen, nicht in diesem Land leben zu müssen, in dem man sich für die Vorgehensweise der Behörden in Grund und Boden schämen muss. Ich würde mir wünschen, dass in diesem Land endlich Mitgefühl für die Menschen herrscht, die hier Zuflucht suchen. Ich würde mir wünschen, in einem Land zu leben, wo jedem Menschen Respekt entgegengebracht wird, unabhängig von seiner Abstammung, Sprache oder Religion. Und ich wünsche mir ein Deutschland, wo niemand Angst haben muss, dass irgendein Mensch das Recht hat, zu entscheiden, dass hier jemand dieses Land verlassen muss.

Wenn Shambu Lamas Tod irgendeinen Sinn hatte, dann nur den, dass sich hier endlich etwas ändert, dass die, die ihn so unfair behandelt haben, sehen, was passieren kann, wenn man einen Menschen in sein Heimatland schicken will, wo ihn nichts als Unglück und Not erwarten. Wenn Shambu Lamas Tod nur einen einzigen Sinn haben soll, dann den, dass wir hier Heute stehen und für Menschenwürde und gegen Abschiebungen eintreten. Und dass wir endlich gehört werden und dass passiert, was schon längst überfällig ist: Dass in Deutschland nicht mehr täglich hunderte Menschen abgeschoben werden, sondern dass sie sich in Frieden hier in diesem Land eine Zukunft und eine Perspektive aufbauen dürfen.
Danke!

Presse: http://www.waz-online.de/Gifhorn/Gifhorn/Uebersicht/Erinnerung-an-Selbst...
Hintergrund:
„Wenn du gefangen bist, ...“ MC Nuri http://vimeo.com/36534920
Gifhorn: Demo nach Flüchtlings-Selbstmord - Nach dem Selbstmord eines nepalesischen Asylbewerbers http://thevoiceforum.org/node/2053
Nicht ohne meinen Sohn - HAZ-Bericht zum Suizid von Shambu Lama nach der rechtswidrigen Abschiebungsdrohung des LK Gifhorn http://thevoiceforum.org/node/2060

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Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

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