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Kommentar von VOICE Jena zur regionalen Berichterstattung in Freies Wort

Zunächst einmal das `Original´ von Herrn Matthias Thüsing, der das Ende
unserer Veranstaltung am 11.03.2008 in Katzhütte aus lauter Protest gar nicht mehr miterleben wollte!
Dafür besticht er mit detailgetreuer Sachkenntnis der `offiziellen´ Sicht auf die Dinge!
Erschienen am 12.03.2008 mit dem Titel:
Flüchtlingspolitik
Dialog im Asylantenheim
Mit zweifelhaften Methoden für eine bessere Integration

http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenfw/art2...

Kommentar vom VOICE-Mitglied Thomas Ndindah zu dem Artikel in Freies Wort vom 12.03.2008

Die Angebote des Herrn Fischer auf die Forderungen der betroffenen Flüchtlinge im Katzhütter „Heim“ basieren auf der völlig notfreien Basis, dass das zuständige Amt des Landkreises Saalfeld/Rudolstadt unbedingt auf einer fortgesetzten Unterbringung im fraglichen Objekt festhalten will! Die nicht einmal in Abrede gestellten „Probleme ... seien zwar erkannt“ - lediglich die NOT-wendigen Konsequenzen sollen mit Verweis auf übergeordnet geltendes Recht(?)“ möglichst vermieden werden!

Die „Blindheit“ der Schreibtischtäter steht also nicht für die Erkenntnis bestehender („gesetzeslage“nkonformer?) Misstände, sondern vielmehr für eine bürokratische Mentalität, dass Schwarzschimmel in mangelhaft isolierten Feuchtbiotopen jahrelang zumutbar sein muss – zumindestens dann, wenn Menschsein nicht mit einer deutschen Aufenthaltserlaubnis verbunden ist!

Die „Zuständigkeit“ des Herrn Fischer betrifft die Situation vor Ort ... und seine Einschätzung, dass die bestehenden „Probleme“ im baulichen Sinne sanierbar seien bezeugt eher eine maximal gewollte, gemeinschafliche Inkompetenz der handelnden Behörden in Bezug auf ihre Aufsichtspflichten für Gesundheit und Würde der ihnen anvertrauten Menschen als einen „klaren Blick für (deren) Lage und Nöte“! Welche „Spielräume“, sollen hier auf wessen Kosten maximal (ge)nutzt“ werden?

Fischer ist „zuständig ... für Soziales und Jugend“ (und das sogar„schließlich“!)... und wenn er wirklich einen übersetzbaren „Dialog“anbieten wollte – wo war dann sein Übersetzer ... und zwar nicht nur „ins Deutsche“ (wie von Ihnen vorgeschlagen!), sondern vor allem in alle Muttersprachen vor Ort?

Das „Schauspiel“ inszeniert sich selbst und alle – wie auch immer berechtigten – Einwürfe werden nicht zuletzt als `Störung´ empfunden. Der Protagonist des VOICE Refugee Forums in Jena heisst Osaren Igbinoba, ist selbst ein Deutschland-erfahrener Flüchtling und verdient es in keinster Weise von Ihnen öffentlich nur mit dem noch dazu falschem Vornamen tituliert zu werden, eben weil die von ihm formulierten Aussagen den beredten `Kern´ des Systems beim Namen nennen – und es nur Rechtens ist, wenn eine Initiative ihre ureigensten Forderungen für die (wie Sie – Sie aber leider ja nur nur zeitweise) anwesende Presse in die Amtssprache übersetzt!

Der Umstand, dass sich asylsuchende Flüchtlinge im Fluchtland Ihrer Wahl über die erlebte Behandlung beschweren mag in manchen Kreisen als ein gern benutztes Argument für Mängel in der fremdländischen Dankbarkeitskultur herhalten – aber hier geht es um Zustände die Menschen in Deutschland mit der Begründung gesetzlicher Flüchtlingspolitik aufgenötigt werden, die mit der hierzulande möglichen Menschenwürde grund(und anderweitig ge-)setzlich nicht vereinbar sind.

Da wird eine unsägliche Vrbindung zwischen objektiven alters- und konstruktionsbedingte Mängeln in der Bausubstanz und deren konzeptionellen Raumaufteilung mit einer `verhaltensbedingten Teilschuld´ der Betroffenen selbst hergestellt, die (entfernt?) an den Minirock weiblicher Vergewaltigungsopfer erinnert ... und natürlich war das auch hier
fragwürdige Motiv menschlich nie so gemein(t).

Unter den weiterführenden Forderungen der Flüchtlinge zur Gewährleistung eines weitgehend selbstbestimmten Lebens unter Fluchtbedingungen werden vor allen anderen Dingen die Anerkennung von gesellschaftlich festgestellten finanziellen Armutsgrenzen menschlichen Lebens in Deutschland einschliesslich deren `bestrafender´ Einschränkung und der Verzicht auf ein (nicht katastrophenbedingtes!) Gutscheinsystem als `natürlich unbegründet´ zurückgewiesen.

Mit einer historisch gleichmütigen (zynischen) Mentalität werden den Flüchtlingen in Deutschland Zustände aufgezwungen, denen sich „kein Deutscher freiwillig“ und „schon gar nicht auf Dauer“ unterwerfen würde als angebliche „Gesetzeslage“ serviert – auf Nachfrage gern auch mal mit scheinheilig `verantwortlicher´ Gutachtermine.

Das bei dem vorliegend nachhaltigen Willen zum Unverständnis bestehender Misstände auf vielschichtigen Ebenen das grundsätzliche Vertrauen in den `korrekten´ deutschen Sprachverstand deutsch übersetzender Flüchtlinge besteht mag da nicht wirklich mehr wundern – 5 Jahre „hier“ in Deutschland mit (vorläufiger?) Endstation Katzhütte oder aber 5 Jahre Flüchtling in Katzhütte ... wer hat denn da jetzt wen und warum und wie missverstanden?!

Natürlich geht es um Strategien ... und da es hier um Menschen-“Schicksal(e)“ geht stellt sich auch keine „peinliche“ Frage, ob ein Eintreten für die Belange in Deutschland gepeinigter Flüchtlinge und deren berechtigter „Anliegen“ auch nur im Entferntesten etwas mit deren Missbrauch“ zu tun haben könnte. Gerade vor dem Hintergrund der lokal ach so `verständnisvollen´ Amtsträger, die ja `nur´ der Gewalt des `höheren´ Gesetzes Folge leisten können eben nur geänderte Rahmenbedingungen in der
allgemeinen Flüchtlingspolitik Deutschlands das Handeln der `Gesetzeshüter´ konformativ beeinflussen!

Entgegen der bei auftretenden Widerständen gerne immer wieder vorgehaltenen `Hiobshypothese´ flüchten Menschen eben nicht in die Arme von hier aktiven Menschenrechts“Netzwerk“en sondern konkret nach Deutschland – auch wenn sich letzteres nicht immer als `würdig´ erweist!

Falls sich im Zuge der hier formulierten Forderungen die Notwendigkeit der Übersetzung wirklich alternativer Angebote seitens der Verwaltungsbehörden ergeben sollte, werden wir jederzeit zur Verfügung stehen ... aber niemand kann ein Netzwerk dazu zwingen systematische Durchhalteparolen zu übersetzen und den integerierten Hohn gleich noch mit!

Zur Objektivierung Ihrer und meiner Ausführungen möchte ich Sie gern auf meine Bildergalerie zur „Gemeinschaftunterkunft in Katzhütte einladen:

PS: „Den Bewohnern selbst ist kein Vorwurf zu machen...“ - Ihnen Herr
Thüsing allerdings schon! Ihre tendenziöse Berichterstattung im Sinne einer
öffentlichen Verharmlosung menschenunwürdiger Zustände bei gleichzeitiger
Diffamierung der politischen Selbstorganisation von Flüchtlingen in
Deutschland sucht in Sachen stammtischbekannten Zynismus´ wirklich seines
Gleichen unter Journalisten!

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