No War - No Refugee
No NATO - No Refugee

Country Information

Here you find background information on Guinea, Iran, Kurdistan, Türkei.

You are here

Proteste bei der Bau- und Betreiberfirma von Flüchtlingslagern K & S zur Unterstützung der Proteste in Katzhütte

Protest bei K&S in Sottrum / Niedersachsen
Flüchtlinge fordern Schließung des Flüchtlingslagers Katzhütte

Donnerstag, 08. Mai, 10 Uhr
Rotenburgerstr. 1, 27367 Sottrum, Niedersachsen

Auf ihrer Webseite stellt sich das in Sottrum ansässige Familienunternehmen K&S als „führender Anbieter beim Bau und Betrieb von Seniorenresidenzen in Deutschland“ dar. Doch der Schein trügt: Etwa 2/3 der 12.000 Wohn- und Pflegeplätze sind Betten in Flüchtlingslagern – insbesondere in Niedersachen sowie mehreren ostdeutschen Bundesländern. K&S dürfte damit der größte private Betreiber von Flüchtlingsunterkünften in Deutschland sein, so ein Experte des Niedersächsischen Flüchtlingsrats.

Die Lebensbedingungen in vielen dieser Lager sind katastrophal, so auch in der von K&S betriebenen Flüchtlingsunterkunft Katzhütte im Thüringer Wald. Bereits seit Februar protestieren dort die BewohnerInnen des Lagers. In diesem Zusammenhang ist es bereits mehrfach zur Berichterstattung in überregionalen Medien gekommen. Der von der Flüchtlingsselbstorganisation „The Voice“ unterstützte Protest richtet sich nicht nur gegen den maroden Zustand des Barrackenlagers - einer ehemaligen DDR-Sommerferienanlage. Die BewohnerInnen fordern vielmehr die sofortige Schließung des Heims und das Recht, eigene Wohungen zu beziehen (siehe Wir wollen in normalen Häusern leben und nicht in Baracken!.

Die Firma K&S wird aus drei Gründen kritisiert:

1. Bis heute kommt K&S nicht seinen vertraglichen Minimalverpflichtungen nach: So hat die Heimleitung wider besseren Wissens jahrelang nichts gegen die Schwarzschimmelbildung in mehreren der (unter anderem von Kindern) bewohnten Zimmern unternommen. Es hat stattdessen erst der Proteste durch die BewohnerInnen bedurft, bis Sanierungsarbeiten durch die staatliche Eigentümergesellschaft in die Wege geleitet wurden. Auch der von K&S beschäftigte Hausmeister versieht seine Aufgaben allenfalls schleppend: Ob leckende Dachrinnen oder defekte Elektroherde, Reperaturen werden entweder nicht oder nur auf mehrfache Bitten hin unternommen. Ähnliches gilt für die Herausgabe von Toilettenpapier und Hygieneartikeln: Obwohl K&S hierzu vertraglich verpflichtet ist, mussten sich die BewohnerInnen bis vor kurzem ihr Toilettenpapier überwiegend selbst kaufen. Der Hintergrund ist schlicht: K&S wird für seine Dienstleistungen pauschal pro Bett (ob belegt
oder nicht) vergütet. Entsprechend fällt der Gewinn um so höher aus, je geringer die tatsächlichen Kosten sind. Laut Schätzungen liegt die aktuelle Gewinnspanne bei 10-15%.

2. Obwohl K&S keinerlei administrative Funktion hat, kooperiert die Heimleitung auf das Allerengste mit den zuständigen Ausländer- und Sozialbehörden. So hat K&S in den vergangenen Wochen permanent von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und immer wieder Versammlungen der protestierenden Flüchtlinge unterbunden. Als am Dienstag dieser Woche
(06.05.) die beiden Sprecher der Katzhütter Flüchtlinge in andere Lager strafverlegt wurden, ist es bezeichnenderweise die Heimleiterin gewesen, welche in Gegenwart eines Vertreters der Ausländerbehörde den Bescheid an die Betroffenen ausgehändigt hat – inklusive eines sofortigen Hausverbots für Katzhütte! Vor diesem Hintergrund verwundern die zahlreichen Berichte nicht, wonach die Heimleitung den BewohnerInnen vor allem schikanös und in bellendem Kommandoton begegnet. Oder anders: Noch nicht einmal
niedrigschwelligste sozial-psychologische Unterstützung wird gewährt, obwohl dies ebenfalls zu den offiziellen Aufgaben von K&S zählt.

3. Des Weiteren ist zu kritisieren, dass K&S überhaupt mit einer Unterbringungsform Geld verdient, welche hochgradig umstritten ist. Bereits seit Jahren stehen Lager in der Kritik von selbstorganisierten Flüchtlingen, antirassistischen Gruppen und Menschenrechtsorganisationen
wie zum Beispiel Pro Asyl. Denn die Unterbringung in Lagern ist keineswegs billiger, sie dient vielmehr der systematischen Isolation und Zermürbung von Flüchtlingen. Auf diese Weise soll deren Bereitschaft gestärkt werden, Deutschland „freiwillig“ zu verlassen – ein Zusammenhang, den nicht zuletzt der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann immer wieder hervorhebt. Mit anderen Worten: K&S leistet durch seine Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer zutiefst inhumanen Politik. In diesem Sinne kann kein Zweifel daran bestehen, dass für die in
Katzhütte (unfreiwillig) untergebrachten Flüchtlinge das Firmen-Motto von K&S geradezu zynisch klingen muss: „Der Mensch steht im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, Zufriedenheit, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung der von uns betreuten und gepflegten Menschen zu erreichen.“

Die Kritik an K&S wiegt um so schwerer, als K&S bereits seit langem im Flüchtlingsgeschäft tätig ist: Gegründet wurde K&S 1981 von einem ehemaligen Oberleutnant der Bundeswehr – unter dem anfänglichen Namen VUB („Verpflegung, Unterbringung, Betreuung“). Lange ist der Betrieb von Flüchtlingslagern der einzige Geschäftszweig von K&S gewesen, in diesem Zusammenhang hat K&S immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt. Erwähnt sei etwa, dass K&S mehrere Jahre lang Betreiber der berühmt-berüchtigten Dschungelheime Tramm und Peeschen in Mecklenburg-Vorpommern gewesen ist – ehemaligen, mitten im Wald gelegenen Kasernenkomplexen, welche erst auf
öffentlichen Druck hin endgültig geschlossen wurden. Mit anderen Worten: Dass K&S heute ein führender Anbieter von Seniorenresidenzen ist, verdankt das Unternehmen nicht zuletzt seinen jahrzehntelangen Gewinnen aus dem Flüchtlingsgeschäft.

An dem morgigen Protest werden unter anderem FlüchtlingsaktivistInnen aus Thüringen teilnehmen. Sie werden K&S auffordern, seinen Betreibervertrag mit Katzhütte zu kündigen, so wie an die zuständigen Behörden in Thüringen
einmal mehr die Forderung ergeht, Katzhütte umgehend zu schließen und den Flüchtlingen Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Die Kundgebung – inklusive Demonstration – wird vom Antirassistischen Plenum Oldenburg-Blankenburg, von der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen/Bremen und von NoLager Bremen unterstützt.

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:

Olaf Bernau (NoLager Bremen): 0151 – 52527776
Thomas M. Ndindah (The Voice Refugee Forum – Jena): 0163 - 4811554

Local group: 
Campaign: 
Language: 

Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

Unsere Bankverbindung lautet:
Förderverein Karawane e.V.
Kontonummer
: 40 30 780 800
GLS Gemeinschaftsbank eG
BLZ: 430 609 67

IBAN: DE28430609674030780800
BIC: GENODEM1GLS

Events

M T W T F S S
 
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
 

Syndicate

Subscribe to Syndicate