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"Die Maske ist eine Kämpferin"

Antirassistisches Festival im Juni in Jena

aus: ak 548 vom 19.3.2010 ak analyse, kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis
http://www.akweb.de

Im Mai 2000 hatte die Flüchtlingsselbstorganisation The Voice zum beinahe schon legendären Karawane-Kongress nach Jena eingeladen. Damals nahm u. a. die Residenzpflichtkampagne ihren Anfang. Fast genau 10 Jahre später gibt es einen neuen Aufruf, für drei Tage nach Thüringen zu kommen. "Vereint gegen koloniales Unrecht in Erinnerung an die Toten der Festung Europa" lautet das Motto eines stark kulturell und künstlerisch geprägten Festivals, das vom 4. bis 6. Juni in Jena stattfinden wird.

„The mask is a warrior,“ hatte Osaren Igbinoba von The Voice unlängst in Frankfurt auf einer Informationsveranstaltung zur Mobilisierung nach Jena erläutert. Eine traditionelle westafrikanische Maskenzeremonie wird im Mittelpunkt eines Sternmarsches stehen, einer der geplanten Höhepunkte des Karawane-Festivals. Die eigens in Afrika angefertigten Masken kommen nach Jena, um die Toten des europäischen Grenzregimes zu repräsentieren, sie stellen Fragen und erzählen ihre Geschichten. Sie zollen den Opfern und deren Schicksalen Respekt. Ein notwendiger Schritt, denn häufig gelten Abgeschobene auch als "Gescheiterte" und nicht wenige Familien leiden neben der Trauer um die Toten darunter, dass auch das Sterben an der Grenze als Schwäche gilt. Die Maske ist zudem eine Vorbotin: sie kündigt Veränderung an und ein Tribunal gegen koloniales Unrecht. Sie spricht von Widerstand. Im gleichermaßen kulturell-künstlerischen wie kämpferischen Ausdruck der afrikanischen Maskerade spiegelt sich auch das Konzept des gesamten Festivals wieder.

Jena mit kreativer Widerstandskunst überziehen
Mehrere öffentliche Plätze, Fußgängerzonen aber auch kulturelle Räume von Galerien bis zur Disco werden miteinbezogen sein, wenn Jenaer BürgerInnen für knapp drei Tage quasi an jeder Straßenecke über antirassistische Botschaften stolpern sollen. Lesungen und Ausstellungen, Straßentheater und Feuershow, Trommel- und Samba-Sessions, Open-Air-Filmvorführungen und Hip-Hop-Auftritte: dezentral über die ganze Stadt verteilt soll mit kulturellen und künstlerischen Mitteln protestiert werden. Neben der erwähnten Maskenparade kommt der Aufstellung eines „Memorials“ besondere Bedeutung zu. Mit diesem Mahnmal soll öffentlich an die „Opfer des Frontex-Grenzregimes und der barbarischen Politik der Festung Europa“ (1) erinnert werden. Wie genau dieses Widerstandskunstwerk aussehen und ob es dauerhaft in Jena oder eher temporär und dann auch in anderen Städten aufgestellt wird, ist noch in der Diskussion. Einer der beteiligten Künstler ist Hermann Josef Hack, der mit seinem Projekt des Klimaflüchtlingslagers schon in zahlreichen Städten unterwegs war (2) und der seine über 1000 und mit unterschiedlichen Graffitis versehenen Minizelte im Juni auch in Jena aufstellen wird.

Antirassistischer Bündelungspunkt?
Die Initiative für das Festival kam von The Voice, doch nicht nur in Jena selbst sondern auch in weiteren Städten in Thüringen hat das Projekt bereits eine breitere Basis. Getragen wird die Mobilisierung zudem von der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und damit vor allem von ihren aktiven Gruppen aus Hamburg, Bremen und Wuppertal. Von der Aktion Bleiberecht in Freiburg bis zu Nolager in Bremen, von einzelnen Gruppen von Jugendliche ohne Grenzen bis zu kein mensch ist illegal, vom Flüchtlingsrat Hamburg bis zu antirassistischen Gruppen in Wien: aus unterschiedlichen Spektren der antirassistischen Linken wurde der Aufruf nach Jena mittlerweile aufgegriffen. Das ist nicht selbstverständlich angesichts doch handfester Differenzen in der inhaltlichen wie auch bündnispolitischen Orientierung der Gruppen. Auch strukturell hatten sich in den letzten Jahren zwar vielfältige aber häufig nebeneinander her oder gar konkurrent agierende Netzwerke im Antira-Feld gebildet. Das offene Konzept von Jena, der niedrigschwellige praktische Ansatz wie auch der verbindende inhaltliche Fokus, bietet die Chance, dass das Festival zu einem wichtigen Bündelungspunkt wird. Und darüber hinaus zudem andere Spektren anspricht und einbezieht, seien es Kulturaktive und KünstlerInnen oder Initiativen wie „Freiheit statt Angst“ (3).

Startpunkt transnationaler Aktivitäten
Zumindest von Menschenrechtsgruppen aus Marokko und aus Mali gibt es bereits Zusagen, sich am Festival in Jena beteiligen zu wollen. Sie werden ihre direkten Erfahrungen mit Frontex und der Vorverlagerung des EU-Grenzregimes einbringen, der Kampf gegen Abschiebungen, soziale Ausgrenzung und (neo)koloniale Ungerechtigkeit ist ein gemeinsamer. Die afrikanischen Gäste kommen aber auch, um die in den letzten Jahren gut entwickelte euro-afrikanische Vernetzung weiter zu vertiefen. Im Oktober dieses Jahres jährt sich zum 5. Mal der Sturm der MigrantInnen auf Ceuta und Melilla, und im Januar 2011 soll das Weltsozialforum in Dakar im Senegal tagen. Beides sind Anlässe für die Aktiven aus Nord- und Westafrika, westeuropäische Gruppen sowie hier aktive Selbstorganisationen zum Gegenbesuch einzuladen. Das Festival wird insofern der Auftakt sein für eine Serie transnationaler Aktivitäten und Proteste der migrationsbezogenen Netzwerke in den darauffolgenden Monaten.

h., kein mensch ist illegal/Hanau

(1) Aufruf und mehr zum Festival unter
http://www.thevoiceforum.org/node/1479
(2) siehe http://www.hermann-josef-hack.de
(3) Am 10. und 11. April findet das nächste bundesweite Vorbereitungstreffen für das Karawane-Festival in Berlin statt. Kontakt über thevoiceforum@emdash.org

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