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Demo in Gedenken an Oury Jalloh 2017 - OURY JALLOH: #Kein Einzelfall!

Saturday, January 7, 2017 - 14:00 to 17:30

7. JANUAR 2017 IN DESSAU…ab 14 Uhr am Hauptbahnhof
https://initiativeouryjalloh.files.wordpress.com/2016/12/oj_header912x227-zum-7-1-17.png
KAMPAGNE 7. Januar 2017
gegen das
#Verbrennen-#Vertuschen-#Verschweigen-#Verfolgen

OURY JALLOH: #Kein Einzelfall!
DAS WAR MORD! – #Keine Einzeltäter!

Der 7. Januar 2017 und damit das Gedenken zum 12. Todestag von OURY JALLOH, der von Polizisten erst seiner Freiheit, dann seiner Handlungsfähigkeit und schließlich auf bestialische Weise seines Lebens beraubt wurde, wird im nächsten Jahr an einem Sonnabend stattfinden!

Die Polizei von Dessau-Roßlau hat Oury Jalloh am 7. Januar 2005 erst rechtswidrig fest- und dann weiterführend rechtswidrig in Gewahrsam genommen, ihn dann an allen vier Extremitäten auf eine feuerfeste Matratze in der gefliesten Gewahrsamszelle Nr. 5 fixiert und ihn bis zur Unkenntlichkeit verbrannt…

Der deutsche „Rechtsstaat“ hat – in bester rassistischer Tradition – von Anfang an eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben und gegen alle Fakten und bis in die höchsten richterlichen Instanzen hinein die unbewiesene Hypothese von der Selbstverbrennung Oury Jallohs aufrecht erhalten. Die Täter werden bis heute durch Unterschlagung und Manipulation von Beweismitteln und logikverachtende Ignoranz gegenüber offenkundigen Beweisen geschützt, die Familie und das Opfer verhöhnt, Verantwortung und Gerechtigkeit werden verweigert! Stattdessen sollen diejenigen, die für die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh kämpfen, durch massive staatliche Repression zum Schweigen gebracht werden!

Wir laden alle, denen an der Verhinderung weiterer rassistischer Morde durch Staatsbeamte mit und ohne Uniform, mit und ohne Robe aber auf jeden Fall mit menschenleben-verachtender Scheinheiligkeit ein, unser Gedenken am 7. Januar direkt in Dessau-Roßlau zu unterstützen und eine kraftvolle Demonstration gegen staatlichen Rassismus in allen Behörden und Ministerien dieses Landes zu setzen – nicht nur in Sachsen-Anhalt – nicht nur in Deutschland – nicht nur innerhalb Europas. Am Sterben der hier „fremd“-definierten Menschen auf der ganzen Welt hat Deutschland einen bedeutenden und aktiven Anteil:

von brandschatzenden Straßen-Nazis bis zu den politischen Brandstifter*innen in kostümierten Anzügen – vom Neid-Prekariat bis zu den „Händler*innen“ des Todes in Nadelstreifen – von den „besorgten“ Angstgeifer*innen bis zu den „unbeteiligten“ Zuschauer*innen…

KOMMT AM 7. JANUAR 2017 NACH DESSAU-ROSSLAU

Treffpunkt Hauptbahnhof 14:00 Uhr

OURY JALLOH IST KEIN EINZELFALL – KEINER WIRD VERGESSEN WERDEN!

RESPECT OUR EXISTENCE – OR – EXPECT OUR RESISTANCE!

#BlackLivesMatter

Als Einstimmung möchten wir Euch einen Text präsentieren, der von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh bereits im Jahr 2007, im Rahmen des ersten Prozesses gegen zwei Dessauer Polizeibeamte, veröffentlicht wurde und dem selbst heute nur wenig hinzuzufügen ist – außer unserem kontinuierlichen Widerstand gegenüber immer wieder neuen Verbrechen:

„Diejenigen, denen die Brutalität des südafrikanischen Apartheidregimes bewusst ist, können sich diese Situation nur allzu gut vorstellen: Ein schwarzer Mensch ist auf eine Pritsche mit feuerfester Matratze an Händen und Füßen gefesselt. Stunden später ist dieser Mensch tot. Sein Leichnam völlig verbrannt, die Finger kalziniert. Die offizielle These: Selbstmord.

Am 7. Januar 2005 ist Oury Jalloh genau unter diesen Umständen in Dessau gestorben.

Am selben Tag wurde das Leben eines zweiten Afrikaners von der Polizei ausgelöscht: Laye Konde, der zehn Tage zuvor aufgrund eines gewalttätigen Brechmitteleinsatzes in Koma gefallen war, verlor sein Leben ebenfalls am 7. Januar 2005. Keiner der hierfür verantwortlichen Polizisten ist verurteilt worden.

Innerhalb der kolonialen Strukturen hat das Menschenleben keinen Wert, vor allem für Nicht-Europäer*innen. Die Macht hat unsere Herzen systematisch herausgerissen, hat uns taub gemacht gegenüber der stets wachsenden Barbarei und Unmenschlichkeit der Macht – und unserer eigenen. Denn als Gönner dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind die Privilegierten ein wesentlicher Bestandteil einer dem Anschein nach ewigen Kette der entmenschlichenden Sklaverei.

Aber wir können nicht einfach weder die Macht noch die „Anderen“ dafür schuldig machen: Wir selbst sind auch die Barbarei und viele in dieser Gesellschaft haben es bereitwillig obwohl manchmal unbewusst akzeptiert. Es ist nicht etwas, was einer Gruppe von Menschen oder einer bestimmten Nationalität innewohnt. Vielmehr ist es systematisch in die Alltagsstruktur unserer Leben integriert. Wir sehen es nicht, wir erkennen es nicht an und wir fühlen es auch nicht (außer wenn wir selbst unter dem Gewicht seiner Unterdrückung leiden). In Gesellschaften wie der deutschen versteht sich dieser Zustand von selbst und die Menschen, die ihn anzweifeln werden als Risiko oder Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung gesehen – auf allen Ebenen.

Es ist die Unmenschlichkeit, ein krankhaftes und gefährliches System, das den Privilegierten gibt, um andere in einer Position der Unterwerfung, Ausbeutung und Angst zu halten, zu akzeptieren, ja sogar zu fördern. Es ist der vollkommen fehlende Respekt für das Menschenleben und Menschenwürde – und es ist systematisch Mord. Es scheint, als ob die Ordnung festgelegt wurde und nun gibt`s nichts mehr zu hinterfragen – geschweige denn den Glauben an die Überlegenheit.

Egal was für eine Position wir haben mögen, wir sind alle mittendrin in dieser Normalität. Während sich die Verbrechen gegen die Menschheit weltweit fortsetzen, die Folter und Grausamkeit nicht aufhören, die Brutalität der Abschiebung zunimmt, genauso wie die Vielzahl an Menschen, die ihr Leben an den Außengrenzen von Europa und der USA verlieren … gucken wir hilflos zu. Gewiss: Wir sind Komplizen einer mörderischen Normalität geworden.

Wir sollten uns ernsthaft fragen, warum die Menschenrechte den Schwarzen überall auf dieser Welt – ohne Ausnahme – verweigert werden? Wo war und ist die Solidarität seitens derjenigen, die von dieser Barbarei profitieren? Wo sind die Menschen aus Dessau (und jenseits von Dessau)? Hatte das Leben Oury Jallohs keinen Wert?

… UND DER ZWECK DER APARTHEID: DAS UNVORSTELLBARE WIRD NORMALITÄT

Die Menschenrechte waren nie für Menschen wie Oury Jalloh gedacht; sie wurden nie für die Kolonisierten und Versklavten gemacht. Sehr wenige Menschen aus dieser sogenannten „Ersten Welt“ haben gar die Kolonisierten ganz gesehen, d.h. als völlig menschlich. Und das war und ist auch so geblieben, bis heute. Es ist unsere Normalität, egal ob wir es anerkennen wollen oder nicht.

Ob gezwungen unter Militär- oder Wirtschaftspolitik der westlichen Ländern und ihrer Henker zu verderben, oder ausgegrenzt, misshandelt, abgeschoben und fast täglich in Europa und der USA ermordet, die Kolonisierten sind von den Menschen europäischer Herkunft auf ewig vom Schutz der internationalen Abkommen und vom Recht auf ein Leben in Würde ausgenommen.

Mögen wir es wahrhaben oder nicht, die Solidarität der Weißen ist immer sehr begrenzt gewesen – wenn es sie überhaupt gegeben hat. Historisch betrachtet, kann man es so oft sehen, dass es unstrittig bleibt. Sei es in Südafrika, während der lange noch bestehenden Geschichte der rassistischen Gewalt und Trennung in der USA, in der verbrecherischen Zerstörung und Teilung Afrikas oder wenn Geflüchtete und Migrant*innen hier schwer misshandelt oder umgebracht werden, um nur einige Beispiele aus mehr als 500 Jahren Barbarei zu nennen.

Die sogenannten progressiven Sektoren der deutschen Gesellschaft (und all der anderen kolonisierenden Gesellschaften) wollen sich nicht aktiv gegen diese Unmenschlichkeit engagieren, geschweige denn die Position der Kolonisierten in ihrem Kampf um Freiheit respektieren und unterstützen. Diese, unsere Realität führt immer wieder zu Spaltungen, Trennungen und Apartheid. Die koloniale Macht hat immer versucht, die Menschen voneinander getrennt zu halten, und weiße Solidarität begrenzt sich hauptsächlich auf Caritas/Almosen, wenn überhaupt. Und diejenigen Weißen, die gegen ihresgleichen aufstehen, bezahlen hohe Preise, um als Beispiele zu dienen, damit die anderen sich fernhalten und schweigen.

Aber am Ende gibt es nur eins: Mensch (zu) sein. Wir tragen alle Verletzungen, auch wenn auf unterschiedliche Weise, aufgrund von dieser Barbarei und historischen Kontinuität der Sklaverei, Deportation und Entmenschlichung. Es ist unvermeidlich, dass wir erst ein Bewusstsein über den Ernst der Situation und die pathologische Zerstörung unserer menschlichen Bedingungen, in denen wir alle eine wichtige Rolle spielen, erlangen.

Die Fesseln, die uns an eher privilegierte und nicht – privilegierte Teile der Kette fesseln, werden letzten Endes zerbrochen, egal wer damit einverstanden ist oder nicht. Entweder stehen wir gemeinsam auf, oder ertränken uns zusammen, wie die zigtausend Menschen im Mittelmeerraum.

WARUM WIR KÄMPFEN MÜSSEN – NICHT NUR PROTESTIEREN UND HINTERFRAGEN

Wir haben weder unseren Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit noch unsere Entschlossenheit aufgegeben. Der Kampf um die Wahrheit und Gerechtigkeit für Oury Jalloh ist für uns eine Frage des Überlebens.

Die Arroganz und das fehlende menschliche Verständnis – vor allem gegenüber Menschen nicht – europäischer Herkunft – innerhalb der Polizei und in der Gesellschaft im Allgemeinen lässt zu, dass Menschen wie Oury Jalloh solche grauenhafte Tode sterben müssen. Das diese Tatsache sowohl systematisch als auch historisch begründet ist, ist einer der vielen Gründe, warum wir den Tod Oury Jallohs als Mord bezeichnen.

Das bedeutet aber, dass wir viel mehr tun müssen, als einfach zu protestieren oder die offiziellen Versionen der Morde an Oury, Dominque, Laye und den vielen anderen in Frage zu stellen. Vor allem geht es uns um unsere Selbstbestimmung und um unsere Wut gegen die unaufhörliche Barbarei.

Wir können und werden nicht zulassen, dass wir im Rahmen dieser verbrecherischen Normalität einfach weiterhin funktionieren, als Komplizen für Verfolgung und unseren eigenen Tod. Wenn wir das Schweigen nicht durchbrechen, wenn wir unsere eigene Meinung unterdrücken, leisten wir einen Beitrag zum Weiterbestehen unseres gemeinsamen Leidens.

Wir verweigern uns!

Wir verweigern uns zu schweigen und wir verweigern uns, weiterhin Teil unserer Unterdrückung zu bleiben!

Wir werden weder schweigen, noch zulassen, dass wir zum Schweigen gebracht werden!

Diese Zeit ist vorbei! “

Als dieser Text entstand, war der NSU noch nicht „enttarnt“ und dessen staatlich assistierte Exekutionen wurden noch zynisch als „Dönermorde“ bezeichnet, Christy Schwundeck war noch nicht von einer Polizistin erschossen, Slieman Hamade war noch nicht von Polizisten mit Reizgas getötet, Mohammad Sillah war gerade an der Verweigerung medizinischer Behandlung verstorben und abertausende Geflüchtete noch nicht zwischen all den Frontex-Schiffen im Mittelmeer ertrunken…

Diesen kontinuierlichen Verbrechen gegen das Leben und die Würde von fremd-definierten Menschen begegnet die deutsche Mehrheitsgesellschaft der „Besorgten“ und „Demokraten“ mit einer Ignoranz, die schlichtweg als eurozentrische Menschenverachtung bezeichnet werden muss. Der historisch gewachsenen Hybris von der Überlegenheit der Weißen Kulturen, ihrer Sklaverei und Kolonialverbrechen, ihrer anhaltenden Kriegsverbrechen in aller Welt und den „selbstverständlichen“ rassistischen Verbrechen in ihrer Mitte wollen wir unsere Solidarität der Gleichheit, Verantwortung und Gerechtigkeit für die Opfer staatlich geförderter Verbrechen entgegenstellen!

Wir haben verstanden, dass wir nicht nur die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh selbst in die Hand nehmen müssen – weil dies kein Staatsanwalt oder Richter tun wird. Wir haben gezeigt, dass ein langer Atem und eine breite Solidarität so viel Druck erzeugen, dass Oury Jalloh und die vielen anderen Opfer nicht vergessen werden.

Unser Kampf für Aufklärung und Gerechtigkeit steht symbolisch für alle rassistischen Morde von Dessau bis Ferguson und beinhaltet nicht nur den Protest in den Gerichtssälen oder auf der Straße. Er ist existentieller Bestandteil unser aller Leben, solange wir in einer Gesellschaft leben, in der diese Verbrechen zur „Normalität“ gehören.

SEID TEIL DER LÖSUNG, STATT SCHWEIGENDER TEIL DES PROBLEMS !

TOUCH ONE – TOUCH ALL!

WIR SEHEN UNS AM 7. JANUAR 2017 IN DESSAU…ab 14 Uhr am Hauptbahnhof

#DessauerVerhältnisse beenden – überall!

Mitzeichner*innen:

Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen, Rote Hilfe e.V. Bundesvorstand, Antifaschistische Gruppe Hannover, Rote Hilfe e.V. OG Berlin, International Legal Team MA/HD, Coalitional de Sans Papiers et Migrants, Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland/ Hannover, Vosifa, Antirassistische Initiative Berlin, Arbeitskreis Antirassismus Magdeburg, Kampagne Halim Dener, Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B., Bündnis gegen Asylgesetzverschärfungen, Rote Hilfe OG Hannover, Interventionistische Linke Hannover, Bündnis für bedingungsloses Bleiberecht, Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak

Campaign: 
Language: 

Der Kampf von Flüchtlingen braucht Geld!

Die Karawane ist maßgeblich auf Spenden angewiesen. Unsere Organisation besteht überwiegend aus Flüchtlingen, die (wenn überhaupt) nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügen. Aus diesem Grunde haben wir 2008 den „Förderverein Karawane e. V.” gegründet. Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann deswegen auf Wunsch Spendenquittungen ausstellen, so dass sie steuerlich absetzbar sind. Wenn bei der Überweisung die Adresse mit angegeben wird, verschicken wir die Spendenbescheinigung automatisch spätestens am Anfang des Folgejahres.

Kontakt: foerderverein(at)thecaravan.org

Unsere Bankverbindung lautet:
Förderverein Karawane e.V.
Kontonummer
: 40 30 780 800
GLS Gemeinschaftsbank eG
BLZ: 430 609 67

IBAN: DE28430609674030780800
BIC: GENODEM1GLS

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